Wem gehört die Welt? Elias und Luis sind Guaia Guaia

von Portrait von Desiree Borsky Desiree Borsky
Veröffentlicht am 29. August 2013

Guaia Guaia sind in aller Munde, Ohren und Augen. Der Dokumentarfilm über die beiden Straßenmusikanten, obdachlosen Künstler oder einfach nur freie Musiker läuft bereits seit dem 11. Juli in den Kinos. Ihre Platte „Eine Revolution ist viel zu wenig“ gibt es seit dem 12. Juli zu kaufen und zwar nicht nur auf der Straße.

Die beiden Jungs aus Neubrandenburg haben erst mal nicht viel geplant, sie sind losgezogen um auf der Straße Musik zu machen. Das haben sie dann ganze vier Jahre lang getan, Unterschlupf bei Fremden und Freunden oder in leerstehenden Häusern gefunden, noch gutes Essen aus Mülltonnen zusammengesucht und alles was zum Straßenleben dazu gehört – außer den Drogen zu verfallen – erlebt. Sie haben keine eigene Wohnung, sondern sind im dem Sinne frei von Zwängen und finanzieller Verantwortung. Im Interview mit BR Puls geben sie zu sich allerdings doch eine „Kette ans Bein“ gebunden zu haben durch ihre Unterschrift bei dem Major Label Universal Music, damit „sie nicht zu hoch abheben“.

Mit viel Humor und Leichtigkeit begegnen Luis und Elias wie es scheint allen Fragen und Situationen dieser Welt. Obwohl ihre Texte und ihr Lebensstil klare Systemkritik sind, geht es ihnen in erster Linie um die Musik und den Spaß am puren Leben. Sie singen beziehungsweise Rappen oder Sprechen auf deutsch zu selbstgebastelten Beats, Posaune und Gitarre. Ihr Laptop ist entweder in der umgebauten Mülltonne oder in Lastenfahrrädern immer mit dabei. Ein bisschen klingen sie wie eine Mischung aus Jan Delay und Deichkind, aber bildet euch eure eigene Meinung!

Sie machen kein Geheimnis aus ihrem Deal mit dem Major Label, wenn vor ihnen eine Tür auf steht greifen sie die Gelegenheit eben am Schopf – egal ob die Tür zu einem Vertrag bei Universal oder in ein leerstehendes Häusschen am Ostkreuz führt. Nach eigener Aussage gab es für sie durch die Unterschrift keine großen kreativen Einschränkungen, was für sie das Wichtigste war.

Am Anfang der Dokumentation „Unplugged: Leben“ von Sobo Swobodnik sagen sie „Man muss ja nicht immer alles komplett ausspachteln“, ihre Geschichte bietet aber so einige Vorlagen dazu. Trotzdem kann man ihnen keine Marketing Strategie vorwerfen, manchmal sind es eben die echten Geschichten, die einfach am interessantesten sind und manchmal hat man mit dem was einem Spaß macht tatsächlich Erfolg.

Wer die beiden live erleben will kann jetzt auch auf offizielle Konzerte gehen und muss nicht an der Straßenecke warten und hoffen, dass sie mal vorbeikommen. Alle Tourdaten findet ihr auf ihrer offiziellen Webseite. Ob sie wohl weiterhin mit dem Fahrrad von Gig zu Gig radeln? In zwei Tagen von Berlin nach Bratislava erscheint mir etwas weit. Aber man gönnt ihnen auch mal etwas Komfort nach den harten Wintern in Berlin mit Erdtoilette.