©

Deutsche meiden Aktien nach wie vor

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 7. September 2020

Wertpapiere sind heutzutage längst nicht mehr exklusiv Aktienbrokern und ähnlichen Berufen vorbehalten. Durch die Vorzüge der Digitalisierung und des Internets ergreifen Privatpersonen immer mehr Initiative, um so ihr Vermögen stetig wachsen zu lassen. In Deutschland hält sich diese Begeisterung jedoch seit geraumer Zeit in Grenzen. Die Ursachen hierfür sind auf verschiedene Faktoren zurückzuführen.

Der Internationale Vergleich reiht Deutschland hinten ein

Dass Deutsche sich nur in sehr geringem Ausmaß für Aktien interessieren, ist bei weitem keine neue Erkenntnis.  Bereits im Jahr 2013 belief sich jener Anteil, welcher auf diese Weise sein Kapital erhöhen möchte, auf gerade einmal 7,5 Prozent. Absoluter Spitzenreiter ist hier die USA. Seit einiger Zeit ist es üblich, dass hierzulande in etwa jeder zweite Staatsbürger Wertpapiere zu seinem Eigentum zählt.

Auch im europäischen Vergleich hinkt die Bundesrepublik deutlich hinterher. Der holländische Nachbar gehört dabei mit knapp 40 Prozent zu den absoluten Spitzenreitern des Kontinents. Obwohl Großbritannien hier eher im Mittelfeld angesiedelt ist, liegt der Inselstaat mit einem Anteil von über 20 Prozent dennoch weit vor Deutschland.

Deutsche investieren lieber anderweitig

Diese Erkenntnis soll jedoch nicht zu dem Schluss führen, dass die Bewohner Deutschlands nicht zu Geldanlagen bereit sind. In diesem Zusammenhang wird jedoch eher Sicherheit bevorzugt. Eine Umfrage des Verbandes privater Bausparkassen aus dem Jahr 2019 bestätigt deutlich, dass Girokonten und Sparbücher mit jeweils fast 50%iger Zustimmung nach wie vor mit Abstand die bevorzugte Varianten darstellen. Aktien finden sich mit 15 % eher im unteren Bereich wieder. Bausparverträge, Tagesgeldkonten und sogar die Riester-Rente finden einen höheren Anklang.

Auch eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung kommt zu einem ähnlichen Schluss. Nur etwa 20 Prozent der Befragten halten Aktien für eine sinnvolle Anlage. Der Anteil jener Personen, welche Wertpapiere tatsächlich in einem eigenen Depot aufbewahren, ist jedoch nochmals geringer. Hier liegt der Anteil bei etwa 12,5 Prozent.

Das Zögern hat viele Gründe

Das in Deutschland weniger auf Aktien gesetzt wird, ist beispielsweise auf kulturelle Hintergründe zurückzuführen. In den USA, Niederlande oder auch skandinavischen Ländern sind Aktien ein wesentlicher Teil der eigenen Pensionsvorsorge. Hierzulande wird jener Aspekt hauptsächlich über die gesetzliche Rentenversicherung abgedeckt. Aus diesem Grund stellen Aktien wohl eher ein unnötiges Risiko als eine ertragreiche Anlage dar.

Des Weiteren sind damit auch kostentechnische Belastungen verbunden, welche diese Investitionen für viele Bundesbürger zusätzlich unattraktiv machen. Abgesehen von den Gebühren des Depots sind auch Information ein wesentlicher Kostenfaktor. Die Börse stets im Blick zu behalten und deren Aktienkurse dauerhaft zu verfolgen ist anhand hochqualitativer Daten nur selten kostenfrei möglich.

Der Investmentfond als spannende Alternative

Da Deutsche vor allem auf Sicherheit setzen, hat sich der sogenannte Investmentfond bzw. ETF auch hierzulande als interessante Alternative herausgestellt. Insbesondere Technologie-ETFs prägen den Markt - “Google”, “Amazon” und “Microsoft” treiben den Börsenmarkt an und stoßen deshalb auch bei knapp jedem fünften Deutschen auf ernsthaftes Interesse.

Der Grund hierfür ist wohl auf jene Sicherheiten zurückzuführen, die herkömmliche Aktien nicht bieten können. Kursschwankungen treten deutlich seltener auf und eine Zahlungsunfähigkeit der Fondsgesellschaft führt in den seltensten Fällen zu schwerwiegenden, finanziellen Belastungen von Privatpersonen.