CD Release: Frische Psycho Klänge von MGMT

von Portrait von Desiree Borsky Desiree Borsky
Veröffentlicht am 13. September 2013

Abgefahren, verrückt, psychedelisch, unheimlich, experimentell, welches Adjektiv man auch immer für das neue Album des New Yorker Duos MGMT finden möchte, eine Rückkehr zum Mainstream Erfolg ihres Debut-Albums wird ihnen damit nicht gelingen. Aber es scheint, als wäre der Massenerfolg Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser so ziemlich egal, Hauptsache sie können machen was ihnen gefällt - und das ist anders.

Das neue Album heißt schlicht und einfach MGMT, auf dem Cover sieht man die beiden Musiker, beziehungsweise Beats-Zusammen-Bastler auf einer Wiese vor einem Hair-Salon-Ramsch-Laden „Stylz Unlimited“  mit einem ominösen Rasenmäher und leerem Vogelkäfig. Was soll uns dieses Bild sagen? Vielleicht soll es uns eine Vorahnung auf die bunt (und zusammenhangslos?) zusammengewürfelten Elemente auf der Platte geben.

Allgemein wirkt das neue Werk düsterer, unheimlicher als das so erfolgreiche Debut „Oracular Spectacular“ von 2007. Schon das Nachfolgewerk „Congratulations“ (2010) wurde von den Fans und den Kritikern auf Grund seiner geringeren Mainstream Kompatibilität nicht sehr warm empfangen und geschätzt. Wahrscheinlich droht dem dritten Versuch VanWyngarden und Goldwassers das gleiche Schicksal.

Die Tracks „Alien Days“, „Your Life Is A Lie“, die Cover Version des 60er Songs „Introspection“ von Faine Jade und „Plenty Of Girls In The Sea“ sind wohl noch die am einfachsten zu genießenden Exemplare der doch sehr experimentellen Platte. Zu "Your Life Is A Lie" - direkt aber ehrlich - gibt es bereits ein passend reizüberflutendes, verrücktes Video mit vielen angerissenen Geschichten, die zusammen ein collagenhaftes Gesamtbild ergeben.

„Cool Song No.2“ - wo war eigentlich Cool Song No. 1? – ist tatsächlich cool, so cool dass einem das Blut in den Adern gefriert. Ich könnte mir den Song gut als Soundtrack für einen Psycho-Thriller vorstellen, der das Leben eines naiv erscheinenden aber hinterlistigen Massenmörders porträtiert. Das gleiche gilt für viele Werke des Albums, so zum Beispiel auch für Song Nummer acht „I Love You Too, Death“. Hier kommen Elemente des Grusel-Gute-Nacht-Geschichten-Erzählers inklusive ferner und schief klingender Blockflöte hinzu. In "Mistery Disease" treibt eine distanzierte Spieluhr ihr Unwesen, oder ist die doch nur eingebildet?

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Ein Sammelsurium an Klängen und Tönen schwirrt im psychedelischen Raum der Musik umher und landet in den Ohren der Hörer. Vielleicht sollte man MGMT ungeborenen Babies vorspielen, ich bin sicher, dass die vielen verschiedenen Eindrücke gut für die Neuproduktion von Gehirnzellen und Synapsen sind.

Das neue Album ist definitiv hörenswert, am besten man hört es sich gleich mehrmals an, ansonsten bleibt bloß Verwirrung zurück. Der Großteil der Lieder dauert um die fünf bis sechs Minuten, man sollte also Zeit und Muße mitbringen. Vorzugsweise lege man sich auf den Boden seines Wohnzimmers und starrt beim Hören die Zimmerdecke an. Wenn der Zeitpunkt der Erleuchtung gekommen ist kann man dann ungestört und ungesehen aufstehen und tanzen.