Primark: Der Preis des Fashion Wahnsinns

von Portrait von Susanna Salber Susanna Salber
Veröffentlicht am 23. Juni 2014

Im Juli eröffnete die 13. Primark Filiale ihre Türen in Berlin. Mit extrem niedrigen Preise und ständig neue Looks - frisch von den Laufstegen kopiert - lockt die irische Billigmodekette ihre Käufer. Es passt vor allem zum deutschen Lieblingsmotto: Geiz ist geil. Aber wie geil sind bedenkliche Materialien und wie war das nochmal mit Fair Trade und Nachhaltigkeit? Nach Fast Food folgt der neue Trend: Fast Fashion: Immer billiger immer aktueller soll die Fashion auf den Stangen bitte sein.

Symbol dieses fragwürdigen Trends ist die irische Kette Primark. Steht man vor einer Filiale, denkt man meistens: Wer betritt diese Hallen gerne außer hormondurchfluteter Teenager? Während die meisten Ketten den Verkaufsort zu einer Wohlfühloase transformieren, gleichen die Primark Filialen eher Biliigdiscountern im Gewerbegebiet. Ästhetisch betrachtet spielt Primark in der Liga von Aldi und Lidl. Der Einkauf bei Primark ist eine Jagd: Es zählt der Augenblick, in dem man eine Jeans, die in schlechtem Licht fern jener von Cara Delevingne ähnelt, in der Hand hält: Für 5 Euro! Da ist dann sogar die Frage, ob es die richtige Größe ist egal. „Wieviel Fashion kann man für 50 Euro schießen?“ ist das Jagdmotto. Für 13 Euro gibt es ein komplettes Outfit.

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Die Preise auf den Etiketten von H&M und Zara wirken neben Primark Etiketten wie der Olymp der Fashion Industrie. Da geht noch einiges in den Einkaufskorb! Primark ist billiger und schneller als die Konkurrenz. Wer fragt da noch nach dem Inhalt und den Herstellungsbedingungen? Wie der Fluter- das Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung- berichtete, würden Mitarbeiter bei Primark 680 Euro weniger verdienen, als bei einer Tarif-Bezahlung. Das von den Mitarbeitern regelmäßig die Taschen kontrolliert werden, ist Ehrensache. Der Plastikgeruch ist da nur eine Begleiterscheinung. Doch wie Greenpeace herausfand wurden in der Kinderkleidung von Primark toxische Stoffe gefunden.

Tatsächlich haben britische Forscher in Badeanzügen von Primark Weichmacher (Phthalate) und andere hormonell wirksame Substanzen sowie als krebserregend geltende Stoffe gefunden. Für den Verbraucher seien diese Stoffe zwar nicht bedenklich, jedoch für die Umwelt. Bei der Produktion werden Trinkwasser und Flüsse verunreinigt.

Doch das Prinzip geht auf: Bei 600 Euro Pro Quadratmeter jährlich liegt der Umsatz von Primark. Der Mutterkonzern ABF (Associated British Food) beschäftigt 52.000. Angestellte im Textilgeschäft. Es gibt über 270 Primark Filialen in Europa und geplant ist die Expansion in den US-Markt. Doch was den ethischen Handel angeht ist man nicht expansionsfreudig: Im Gegensatz zu H&M teilt Primark nicht die Namen der Fabriken mit. 1200 Fabriken produzieren überwiegend in Asien. Auch eine im Frühjahr 2013 eingestürzte Fabrik in Rana Plaza (Bangladesch) gehört dazu. Auf den Etiketten der Ware stehen keine Herkunftsländer. So könnte Primark die Produktion sofort von Asien nach Ost Europa verlagern. Natürlich hat auch der Fast Fashion Trend das Netz nicht in Ruhe gelassen: Auf Youtube findet man unter „Primark Haul“ Mädels, die ihre Primark Beute präsentieren. Wo Primark drauf steht ist Primark drinnen und das ist vor allem: Billig. Der Preis dafür ist sehr hoch. Aber den Zahlen ja andere!