Sind Smoothies und Säfte genauso schädlich wie süße Softdrinks?

von Portrait von Desiree Borsky Desiree Borsky
Veröffentlicht am 10. September 2013

Viel Trinken ist wichtig für die Gesundheit, nur was ist die Frage? Wie wir bereits wissen sind Softdrinks sowie Cola oder gesüßte Limonade wegen ihres hohen Zucker- oder Maissirup- (High Fructose Corn Syrup - HFCS) Anteils sehr schädlich. Die gleichen Wissenschaftler die 2004 einen Bericht zur Gefährdung durch HFCS schrieben, erklären nun dem Guardian, dass die heutzutage so beliebten Smoothies und Fruchtsäfte ähnlich schädlich seien wie die mit künstlichen Aromen vollgepumpten Softdrinks.

High Fructose Corn Syrup, beziehungsweise das in Deutschland als Fructose-Glucose-Sirup deklarierte Zuckerkonzentrat, hat nachweislich große Effekte auf die in den letzten Jahrzehnten gestiegene Gewichtszunahme der Erd-Bevölkerung. Laut New York Times Bestseller-Autor Dr. Hyman unterstützt der vor allem in Softdrinks enthaltene Zuckerersatz vermehrtes Übergewicht.

In einem Interview mit dem Guardian erklärt jetzt Barry Popkin, Professor an der Fakultät für Ernährung an der University of North Carolina, Smoothies und Fruchtsäfte seien nun die neue Gefahr:

„In allen Ländern werden Smoothies und Fruchtsäfte als die neuen gesunden Getränke verkauft. Deswegen stellen wir fest, dass Pepsi und Coca Cola dutzende Fruchtsaft-Unternehmen auf der ganzen Welt übernommen haben.“

Die beiden großen Smoothie und Saft Anbieter Innocent (Coca Cola) und Tropicana (Pepsi) gehören seit einigen Jahren zu den Softdrink Giganten, die enorme Mengen an Geld in Marketing und Werbung stecken. Die von den Werbe-Profis propagierte fünf-Früchte-oder-Gemüse-am-Tag-Regel, sei jedoch missverständlich. Zwar wirbt selbst das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) für diese Regel, man sollte laut Popkin aber definitiv lieber Gemüse-Saft als Fruchtsaft trinken, da dieser weniger Zucker enthalte. "Nur gelegentlich" sollte laut BMG "verschiedene Zuckerarten (zum Beispiel Glucosesirup)" verzehrt werden.

Das 'gefährliche' an den Fruchtdrinks laut Popkin sei die hoch konzentrierte Menge an Fruchtzucker. 100ml eines Innocent Smoothie "Mango & Maracuja" 10,4 Gramm Zucker, der "Erdbeere und Bananen" Smoothie von Chiquita hat 11,3 Gramm, der Orangensaft von Granini enthält 9 Gramm, während 100 Milliliter Coca Cola 10,6 Gramm Zucker enthalten. Obwohl es sich bei den Säften und Smoothies um 'natürlichen' Zucker handeln soll, bestehe dieser meist aus Apfelsaftkonzentrat aus China, laut Popkin.

Es hört sich absurd an, dass ein Smoothie genauso ungesund sein soll wie ein großes Glas Cola. Betrachtet man ausschließlich Kalorien (Cola hat 42 auf 100ml 42kcal, der Innocent Smoothie "Mango & Maracuja" 55kcal) und Zuckergehalt, macht der Vergleich schon Sinn, aber denkt man an andere Inhaltsstoffe, so wie Vitamine, müssten Säfte doch gesünder sein als die sprudelnden Farbstoffbomben, oder nicht?

Die Menge ist ein wichtiger Faktor, der berücksichtigt werden muss. Von zwei Orangen werde man satt, von einem Saft, der sechs Orangen enthält nicht. Das Essverhalten ändere sich nicht, man esse trotz Smoothie-Genuss nicht weniger und nehme im Endeffekt mehr Nährstoffe und vor allem Fruchtzucker auf als für den Körper gut sei. Dadurch könne laut Barry Popkin Übergewicht oder Diabetes gefördert werden.

Laut WHO (World Health Organisation) seien Fruchtsäfte keinesfalls mit unverarbeiteten Früchten gleichzusetzen:

"Sie sind oft mit variierenden Substanzen gesüßt, die zu einer höheren Energiedichte führen, aber keine vorbeugenden Rolle in der Prävention von chronischen Krankheiten einnehmen"

Etwas verwirrend heißt es gleichzeitig, es gebe auch "viele positive Effekte" von Säften, die berücksichtigt werden müssten, so zum Beispiel das häufig in Säften enthaltene Kalium, welches Bluthochdruck verringere und Schlaganfälle vorbeuge. Da haben Säfte im Gegensatz zu Softdrinks also ihre Stärken.

Schon 2011 verriet Antje Grahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) der Apotheken Umschau, dass Smoothies "keinesfalls als dauerhafter Ersatz [für frisches Obst] geeignet" seien. Die wichtigsten Vitamine und Nährstoffe lägen bei Früchten direkt unter der Schale, die meistens nicht mit in den Smoothie-Getränken verarbeitet werde. Außerdem stellt Antje Grahl wie Barry Popkin fest, dass püriertes Obst ein kleineres Volumen habe als frisches Obst und so weniger satt mache. Sie schlussfolgert:

"Ein guter Smoothie kann gelegentlich ein bis zwei Portionen Obst ersetzen. Wenn wenig Zeit zur Verfügung steht, spricht auch überhaupt nichts dagegen. Für den täglichen Bedarf ist frisches Obst aber nach wie vor vorzuziehen."

Auch die natürlichen Ballaststoffe gehen in den Smoothies verloren, laut Stiftung Warentest sollte der Mensch täglich 30 Gramm an Ballaststoffen zu sich nehmen:

"Die Smoothies im Test bringen pro Flasche nur ein bis fünf Gramm Ballaststoffe."

Ein Smoothie oder Fruchtsaft ist einem Softdrink vorzuziehen, sie sind aber nicht ohne Einschränkung genießbare Gesundheits-Wunder, wie vom Marketing oft propagiert. Am besten man greift also öfter mal wieder zu einem unverarbeitetem Stück Obst, das man selbst kaut. So kann man auch besser beurteilen wie viel man gerade tatsächlich zu sich nimmt. Genuss in Maßen und Wasser trinken bleibt die einzig wahre Alternative. Oder sollte man vielleicht doch gleich an der Muttermilch festhalten?