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Wie die Würfel fallen – Vom antiken Spiel zum ikonischen Accessoires

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 17. Januar 2019

Der sechsseitige Würfel setzte sich bereits im Mittelalter als Standard durch.

Würfel sind in der heutigen Popkultur überall zu finden. Für den Rockabilly-Stil sind sie ein klassisches Tattoomotiv, im Auto hängen sie in der Stoffversion vom Rückspiegel und als Modeschmuck werden Würfel nur zu gerne für Ohrringe, Armbänder und Ketten verwendet. Würfel haben dank ihrer langen Geschichte viele Bedeutungen angenommen und werden als Symbol für das Schicksal betrachtet. Doch woher stammen die altertümlichen Spielgegenstände eigentlich und welche Bedeutung haben Würfel in modernen Spielen?

Die Geschichte der Würfel

Die ersten Funde von Würfeln stammen aus dem Jahr 3000 vor Christus. Damals wurden Würfel in unterschiedlicher Form für verschiedene Brettspiele verwendet. Die ersten Würfel mit sechs Seiten wurden im Irak und in Pakistan gefunden, während bei Ausgrabungen in Ägypten zwei- oder vierseitige Stabwürfel gefunden wurden. Damit steht auf jeden Fall fest, dass die ersten Würfel im Orient entstanden. Auch der Einsatz von Würfeln in Brettspielen stammt aus dieser Region. Das ägyptische Spiel Senet verwendete halbrunde Stäbchen aus Holz, die geworfen werden mussten, um im Spiel voranzukommen. Die Ägypter verwendeten außerdem eine Art von Würfel, der aus den Sprunggelenkknöchelchen von Schafen oder Ziegen bestand – die Astragali. Auch das sogenannte königliche Spiel von Ur setzte Würfel ein, um zu bestimmen, wie viele Felder der Spieler ziehen darf. Die Würfel wurden vom Orient aus auch in die Kultur Griechenlands und des römischen Reichs überliefert. Auch in diesen Gebieten konnte man später Astragali und kubische Würfel finden. Neben Würfeln mit sechs Seiten wurden auch 12- bis 24-seitige Würfel benutzt, welche aus verschiedenen Materialien wie Kristall, Ton und Metall hergestellt wurden. Viele dieser Würfel waren nicht mit Zahlen und Augen versehen, sondern trugen Wörter oder Buchstaben an ihren Seiten. Die Würfel wurden dabei nicht nur zum Spielen eingesetzt, sondern auch von Wahrsagern verwendet, um das Schicksal vorherzusehen. Im Mittelalter setzte sich der sechsseitige Würfel eindeutig durch, auch wenn vereinzelt vier-, acht- oder andere mehrseitige Würfel weiterhin auftauchten. Die Spiele wurden in allen Schichten der Gesellschaft gespielt und auch Glücksspiele wurden immer beliebter. In Dokumenten von Ludwig dem IX. aus dem 13. Jahrhundert wurden hier zum ersten Mal Spielbanken erwähnt, in welchen Würfel-Spiele angeboten wurden. Zu diesem Zeitpunkt wurden Würfel immer noch meist in reinen Würfelspielen verwendet, nicht jedoch in Brettspielen. Eine der wenigen Ausnahmen war Backgammon, welches als eines der ältesten Brettspiele der Welt gilt. Erst im 20. Jahrhundert wurden Gesellschaftsspiele mit Brett und Würfel richtig beliebt. Dabei wurde der Würfel mit sechs Seiten zum absoluten Standard. Die meisten davon tragen die Ziffern 1 bis 6 und die gegenüberliegenden Seiten ergeben die Summe 7. Einige Brettspiele ersetzen die Ziffern jedoch mit Symbolen oder Buchstaben.

Die Würfelklassiker

Würfel werden in der heutigen Spielewelt vielseitig eingesetzt. Manche Spiele kommen ausschließlich mit den kleinen Gegenständen aus, während andere Brett- und Kartenspiele den Würfel nur als Extra benötigen. Von Spieleklassikern bis hin zu modernen Spielvarianten ist der Einsatz von Würfeln beinahe endlos.

Das Würfelspiel Craps

Eines der klassischen Würfelspiele wird bereits seit tausenden Jahren gespielt und erfreut sich trotzdem immer noch großer Beliebtheit. Craps stammt vom Spiel Hazard ab und ist eine vereinfachte Version des Klassikers. Obwohl nur mit zwei Würfeln gespielt wird, ist das Regelwerk von Craps relativ komplex. Zu Beginn des Spiels geben alle Spieler ihre Einsätze bekannt, dann beginnt der sogenannte Shooter mit seinem Wurf. Die Augensumme der Würfel entscheidet darüber, wie es weitergeht. Wird eine 7 oder 11 gewürfelt, so gewinnt der Spieler sofort. Bei 2, 3 oder 12 verliert er. Alle anderen Augensummen erfordern einen zweiten Wurf. Schafft es der Shooter bei seinem zweiten Wurf, die Augensumme erneut zu erzielen, so gewinnt er. Mit der 7 ist der Spieler ausgeschieden. Alle weiteren Augensummen erfordern einen erneuten Wurf. Nach einem Gewinn darf der gleiche Spieler weiterspielen; verliert er, so kann er entweder einen neuen Einsatz machen und weiterspielen oder die Würfel an seinen rechten Nachbarn weitergeben. Nur wer eine 7 würfelt, ist gezwungen, die Würfel weiterzureichen. Wer im Casino spielt, muss beachten, dass man nicht gegen andere Spieler, sondern gegen die Bank antritt. So kann nur der Wurf einer 7 das Spiel beenden. Auch im Online-Casino ist Craps ein Favorit vieler Spieler und ermöglicht es, gegen weitere Online-Spieler oder die Bank zu spielen. Das Spiel auf den Bildschirm bringt einige Vorteile, denn dank verschiedenen Willkommens- und Einzahlungsboni sind die ersten Runden oftmals einfach geschenkt. Das klassische Würfelspiel wird in einigen Regionen Amerikas mit Karten gespielt, die Verwendung von Würfeln ist jedoch die häufigste Variante.

Pokern mit Würfeln

Neben dem Zahlenwürfel sind auch die Pokerwürfel heute weitverbreitet. Zwar bieten sich damit deutlich weniger Spiele an, diese sind aber sehr beliebter. Würfelpoker ist dabei natürlich der absolute Klassiker. Gespielt wird mit fünf Pokerwürfeln und zwei Spielern. Das Prinzip dabei ist ganz einfach. Die Würfel werden in einem Würfelbecher geschüttelt und auf dem Tisch oder Tablett ausgestreut. Das Ziel dabei ist, die höchste Kombination zu erzielen. Der stärkste Wurf sind dabei fünf gleiche Symbole, direkt gefolgt von vier gleichen. An dritter Stelle steht das Full House, welches aus zwei und drei gleichen Symbolen besteht. Ein Blick in das Regelwerk zeigt die genaue Punkteverteilung. Wer mit seinem Wurf nicht zufrieden ist, kann erneut würfeln. Dabei können mehrere oder alle Würfel erneut in den Becher gesteckt werden. Nach maximal drei Würfen steht das Endergebnis fest und die Würfel gehen an den zweiten Spieler.

Brett und Würfel - Mensch ärgere Dich nicht

 

Ein Spiel, bei dem es schwer fällt, sich nicht zu ärgern – Mensch ärgere Dich nicht.

Brettspiele mit Würfeln wurden in der Antike nur vereinzelt gefunden, setzten sich aber vor allem im 20. Jahrhundert durch. Ein absoluter Klassiker der deutschen Gesellschaftsspiele ist Mensch ärgere Dich nicht. Etwa 90 Millionen Spielbretter sollen davon bis heute verkauft worden sein. Das Spiel wird mit idealerweise vier Spielern begonnen, die sich gegenseitig aus dem Spiel würfeln müssen. Das Spielfeld hat vier Startfelder pro Spieler, auf denen alle Figuren Platz finden. Um das Startfeld mit einer der vier Figuren zu verlassen, muss innerhalb von drei Würfen eine 6 gewürfelt werden. Danach kann die Figur immer so viele Schritte weiterziehen, wie die Augenzahl des Würfels anzeigt. Ziel des Spiels ist es, die eigenen Figuren einmal über das gesamte Spielfeld laufen zu lassen und in die Zielfelder zu bringen. Würfelt ein anderer Spieler eine Augenzahl, mit der er ein Feld erreicht, auf dem bereits eine andere Figur steht, so kann er diese Figur „schmeißen" und auf das Startfeld zurückbefördern. Dies ist besonders ärgerlich, wenn die Figur bereits vor dem Ziel steht. Ärgern sollte man sich trotzdem nicht, schließlich heißt das Spiel Mensch ärgere Dich nicht!

Die Zukunft der Würfel

Würfelspiele haben sich durch die Jahrtausende durchgesetzt und sind immer beliebter geworden. Heute sind Würfel nicht nur ein beliebtes Instrument für Spiele, sondern auch ein populäres Symbol der Popkultur. Vor allem für Fans des Rockabilly-Stils sind Würfel ein häufig verwendetes Symbol für Tattoos, T-Shirts oder Modeschmuck. Die Würfel sind eine Metapher für das Schicksal, auf welches keinen Einfluss genommen werden kann – sie sind damit besonders bedeutungsschwer. Neben dem klassischen Würfel mit sechs Seiten entstehen auch immer mehr außergewöhnliche Spielwürfel, wie das Pen-&-Paper-Rollenspiel, welches mit sieben unterschiedlich geformten Würfeln gespielt wird. Von vier- bis 20-seitigen Würfel ist alles mit dabei. Hier werden die Würfelsets auch mit besonderen Farben und Designs gestaltet und sind ein richtiges Spieleraccessoires. Passende Würfelboxen und -taschen komplettieren das Set und geben dem Spiel eine zusätzliche Sammelkomponente. 

Würfel wurden bereits 3000 Jahre vor Christus im Orient verwendet und ihre Geschichte könnte noch weiter in die Vergangenheit reichen. Auch in Zukunft werden Würfelklassiker mit Sicherheit erhalten bleiben, während neue Spiele, Trends und Würfelformen die Spielewelt aufmischen.