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Wasser: Unser täglich Brot im Faktencheck

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 15. Januar 2019

120 Liter Trinkwasser nutzt jeder Bundesbürger täglich. Sei es bei der morgendlichen Toilette, der ersten Mahlzeit am Tag oder am Abend beim entspannten Baden. In einer modernen Gesellschaft ist eine kontinuierliche Versorgung mit sauberem Leitungswasser nicht wegzudenken.
Umwelteinflüsse durch moderne Medizin, Landwirtschaft und Industrie werfen immer mehr kritische Aspekte auf. Ist deutsches Leitungswasser zum Trinken überhaupt uneingeschränkt empfehlenswert? Viele Menschen fühlen sich verunsichert, nutzen zusätzlich einen Wasserfilter für Leitungswasser. Was ist dran an der Verunsicherung und wie gut steht es um deutsches Trinkwasser?

Streng kontrolliertes Lebensmittel mit Einschränkungen

Rechtlich gesehen wird in der Bundesrepublik kein Lebensmittel strenger kontrolliert als Wasser aus der Leitung. Tatsächlich gilt Leitungswasser in Deutschland als Lebensmittel und muss von hoher Qualität sein. Verantwortlich dafür sind rund 5.800 regionale Unternehmen aus der Wasserwirtschaft. Die Wasserversorgung in Deutschland ist in kommunaler Hand - anders als in vielen europäischen Nachbarländern.
Die regionale Wasserversorgung sichert ein Mindestmaß an Trinkwasserqualität, allerdings nur bis zum Hauseingang. Für die letzten Meter ist rechtlich der Eigentümer verantwortlich.

Doch je länger das Trinkwasser in der Leitung verbleibt, umso größer ist die Gefahr von Verunreinigungen durch giftige Schwermetalle. Auch fehlende Grenzwerte für Medikamentenreste und viele Pestizide machen den Einsatz von Wasserfiltern grundsätzlich sinnvoll. Die Filter filtern Schadstoffe aus dem Wasser, die sich in den Rohren freigesetzt haben. Zudem befreien die Filter das Wasser von geruchs- und geschmacksstörenden Stoffen und erhöhen so die Qualität.

Trinkwassergrenzwerte in Deutschland

In der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) sind alle Grenzwerte aufgelistet, die unbedenklich verzehrbares Wasser aus der Leitung nicht überschreiten darf. Die Werte werden regelmäßig angepasst. Doch für viele potentielle Verunreinigungen gibt es leider immer noch keine Grenzwerte, z.B. Arzneimittel.

Zur Kontrolle des Wassers sind die Versorgungsunternehmen selbst bestimmt. Kontrolliert werden die Unternehmen wiederum von den örtlichen Gesundheitsämtern, die auch Restaurants und Bars in der Region kontrollieren und weitere Aufgaben übernehmen.
Differenziert werden die Grenzwerte nach chemischen, mikrobiologischen und radiologischen Anforderungen.
Chemische Inhaltsstoffe müssen im Trinkwasser von so geringer Konzentration sein, das für den menschlichen Körper keine Gefahr ausgeht. So liegt der Grenzwert von Blei bei 0,01 mg/l, bei Aluminium bei 0,2 mg/l. Die Grenzwerte sind bewusst sehr niedrig gesetzt und liegen weit unter den Werten, bei denen Menschen ernsthaft erkranken können.

Strenge mikrobiologische Grenzwerte

Die chemischen und radiologischen Anforderungen an Trinkwasser definieren bewusst keine Grenzwerte von null. Wasser ist ein Produkt der Natur und aus diesem Grund sind Blei, Aluminium oder auch Uran niemals komplett aus dem Trinkwasser zu entfernen. Bis der Regentropfen durch das Erdreich sickert und in deutschen Grundwasserseen landet, vergehen Jahre bis Jahrzehnte. Auf der Reise nimmt das spätere Trinkwasser natürliche Stoffe aus der Natur auf.
Anders sieht es bei den mikrobiologischen Anforderungen aus. Dabei handelt es sich um Keime, die in geringer Konzentration bei Menschen Gesundheitsprobleme auslösen können. Die Grenzwerte sind bei Escherichia coli (E. coli) oder Enterokokken auf null gesetzt. Bei Legionellen beträgt der Wert 100 koloniebildende Einheiten auf 100 ml.

(Un)bedenklicher Konsum

Die Qualität des Trinkwassers ist in Deutschland aufgrund der kommunalen Versorgung von Region zu Region unterschiedlich. Bundesweit einheitliche Grenzwerte stellen jedoch eine landesweit hohe Qualität vom Wasser, dem täglich Brot aller Bundesbürger, sicher.
Das Umweltbundesamt ist als oberste Behörde für die Trinkwasserqualität verantwortlich. Sie veröffentlicht regelmäßig neuste Daten zur Trinkwasserversorgung in Deutschland. Allen Berichten der Presse zum Trotz ist die Trinkwasserqualität hierzulande im Vergleich gut, doch es bleibt ein Irrglaube das Leitungswasser absolut frei von Schadstoffen ist. Hier sollte jeder für sich selbst sorgen. Aber bitte nicht mit Wasserkisten, schließlich gibt es aus ökonomischer und ökologischer Sicht ohnehin keinen Grund, auf Trinkwasser aus dem Wasserhahn zu verzichten.