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Sportwetten boomen – das Finanzamt verdient fleißig mit

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 24. Mai 2019

Sportwetten: Knapp 400 Millionen Steuereinnahmen trotz unklarer Rechtslage

Gut 8 Milliarden Euro werden in Deutschland jährlich in Sportwetten umgesetzt. Der Großteil der Anbieter hat jedoch seinen Sitz im Ausland. Oft sind die Anbieter in Malta oder Gibraltar oder auch auf den britischen Kanalinseln angemeldet.

Sie bieten Wetten hierzulande an und bewegen sich damit in einer rechtlichen Grauzone. Allerdings zahlen die meisten von den Anbietern die deutsche Wettsteuer in Höhe von 5 % der Einsätze. Das Steueraufkommen bei Sportwetten wird auf 400 Millionen Euro jährlich geschätzt. Das freut die Finanzämter natürlich, obwohl eigentlich gar keine belastbare rechtliche Grundlage besteht.

Sportwetten – nie war das Angebot so riesig

Sportwetten sind fester Bestandteil des Sports in Deutschland. Das belegen die Umsatzzahlen. Den überwiegenden Teil des Geschäftes machen Online-Wetten aus. Die Buchmacher betätigen sich als Sponsoren großer und kleiner Vereine. Tipico, bwin, bet365, Interwetten, bet-at-home, betsafe – fast alle großen Online-Sportwettanbieter sind als Sponsoren für große oder kleine Klubs aktiv. In den Profisport fließen aus der Branche derzeit etwa 50 Millionen jährlich an Sponsoren-Gelder.

Mit Erfolg, die Umsätze der Buchmacher klettern noch weiter. Das Wettangebot wird ebenfalls immer umfassender. Bei den Wettanbietern gibt es Live-Übertragungen und Live-Animationen mit allen Statistiken zu den Spielen.

Es kann selbst auf die Anzahl der Ecken oder auf die Anzahl der gelben Karten im Spiel gesetzt werden. Wetten können auch noch während eines Spiels bearbeitet werden. Geworben wird außerdem mit satten Bonusangeboten für neue oder bestehende Mitglieder bei den Wettanbietern.

Wie ist das nun wirklich mit der Rechtslage für Sportwetten in Deutschland?

Grauzone, illegal, EU-Lizenz, Steuerparadiese, Spielsucht? In den Schlagzeilen finden sich im Zusammenhang mit Sportwetten viele reißerische Schlagworte. Die Diskussion in der Tat ideologisch geprägt. Die einen sagen, die Wettanbieter operieren illegal, weil sie über keine offizielle Genehmigung hierzulande verfügen. Außerdem fördert der allzu leichte Zugang zu Sportwetten und Glücksspiel über das Internet die Spielsucht.

Die anderen argumentieren Sportwetten seien legal, weil die Wettanbieter ja eine in einem anderen EU-Mitgliedsland ausgestellte Lizenzen besitzen.

Es scheint alles ein wenig verworren. Das ist es auch.

Fakt ist, dass sich die Bundesländer im Jahr 2012 auf einen gemeinsamen Glücksspielstaatsvertrag geeinigt hatten. Dieser sah vor, insgesamt 20 Lizenzen an Online-Buchmacher zu vergeben und die Umsätze bei Online-Sportwetten pauschal mit 5 % zu besteuern. Bereits vorher hatte das Land Schleswig-Holstein im Alleingang einige Lizenzen vergeben. Das war genau das Problem. Leer ausgegangene Sportwettenanbieter klagten dagegen beim Europäischen Gerichtshof. Sie fühlten sich in ihrer Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU beschränkt. Die Kläger bekamen Recht. Der Glücksspielstaatsvertrag von 2012 widersprach in diesem Punkt dem Europäischen Gerichtshof und Deutschland wurde aufgefordert, seine Regelungen anzupassen.

Besteht Aussicht auf einen neuen Glücksspielstaatsvertrag?

Aktuell ist das staatliche Monopol für Sportwetten noch bis zum 30. Juni 2019 ausgesetzt. Die Sportwettenanbieter mit einer gültigen Lizenz aus anderen EU-Staaten oder steuerlich assoziierten Gebieten werden geduldet, solange sie die Sportwettensteuer abführen. Wettfreunde brauchen sich also derzeit keine Sorgen machen, wenn sie ein paar Euro auf ihren Lieblingsverein setzen.

Die Regelung dürfte jedoch bis 2021, also bis zum Auslaufen des Glücksspielstaatsvertrages verlängert werden. 2021 muss dann mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag eine saubere Lösung zu den Sportwetten und Glücksspielen im Internet her. Eine Einigung der Bundesländer in allen Punkten liegt jedoch noch in weiter Ferne, dass die politischen Parteien in dieser Frage heillos zerstritten sind. Lachender Dritter sind die Finanzämter, die solange weiter fleißig kassieren.

Was tun die Wettanbieter gegen Spielsucht?

Zunächst einmal darf sich niemand online bei einem Buchmacher anmelden, wenn er noch nicht volljährig ist. Wer sich einen Wettgewinn auszahlen lassen möchte, muss hierzu in der Regel eine Kopie seines Personalausweises einreichen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eine Limitierung der Einsätze und der Einzahlungen vorzunehmen. Das gilt auch bei Wetten auf eSports, die immer beliebter werden.

Spielern wird ebenfalls angeboten, eine zeitlich begrenzte oder dauerhafte Sperre des Accounts einzurichten, wenn sie merken, dass ihre Wetteinsätze außer Kontrolle geraten. Mit Beratungsangeboten wird ebenfalls geholfen. Das Problem ist, dass der Schutz vor Spielsucht auf die Selbsterkenntnis der Wettfreunde beruht.

Erkennt ein Wettfreund, dass er mehr einsetzt, als es eigentlich normal oder möglich wäre, ist es meistens schon zu spät. Allerdings zeigen die Zahlen auch, dass es sich bei der Spielsucht nicht um eine Volkskrankheit handelt, sondern nur einen sehr kleinen Teil betrifft. Gerade einmal 483.000 Deutsche gelten als spielsüchtig. Das sind nicht einmal 0,1 % der Bevölkerung. Das Problem darf jedoch nicht verharmlost werden.