©

Miguel de Cervantes Einfluss auf Kultur und Literatur

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 5. November 2018

Wer war Miguel de Cervantes?

Miguel de Cervantes wurde vor über 400 Jahren im Jahr 1547 in Alcalá de Henares, einer östlich von Madrid gelegenen Stadt, als Sohn eines verarmten Chirurgen geboren. Im Alter von 22 Jahren zog es ihn nach Rom und später heuerte er einer stationierten Einheit der spanischen Marine in Neapel an. Überliefert ist auch, dass er im Jahr 1571 an der Seeschlacht von Lepanto teilnahm. Da er im Rahmen dieser Schlacht seine linke Hand verlor, wurde ihm später der Beiname 'der Einhändige' verliehen. Außerdem geriet er in die Fänge von algerischen Piraten, aus deren Gefangenschaft er nach vier Fluchtversuchen erst fünf Jahre später losgekauft wurde, um wieder in Spanien zu stranden. Dort diente er als Nachrichtenagent für König Philipp II., wurde später des Mordes beschuldigt, wieder in Gefangenschaft genommen und zweimal von der Kirche exkommuniziert.

Genie ohne Gesicht

Obwohl er einer der bekanntesten Schriftsteller der Welt ist, weiß man über Miguel de Cervantes nur sehr wenig. Nicht einmal das Aussehen ist überliefert, denn zu Lebzeiten wurde kein Portrait von ihm erstellt. Spätere Darstellungen bedeutender Maler stützen sich lediglich auf die Beschreibung, die Cervantes von sich selbst gegeben hat. Die Augsburger Allgemeine zitierte in einem Beitrag aus dem April 2016 die Zeitung ABC mit den Worten "Cervantes ist ein Genie ohne Gesicht".

Dies trifft nicht nur auf das Äußere zu, sondern auch über sein Privatleben, seine Familie und seine Interessen ist nur wenig bekannt. Zwar weiß man laut Augsburger Allgemeine, dass er die Ironie liebte, ein abenteuerliches Leben führte und erst spät zur Literatur fand, das war's aber auch schon im Groben über seine Eigenarten.

Bedeutendes Werk

Zweifelsfrei ist der Klassiker der Weltliteratur Don Quijote das berühmteste Werk des Dichters und Schriftstellers. Es wird vermutet, dass er bereits während seiner Gefangenschaft in Spanien begann, sein Hauptwerk zu verfassen. Es war als Satire auf die von Cervantes belächelten Ritterromane gedacht, geriet aber schnell zur Abhandlung seiner Selbst und der spanischen Gesellschaft. Er verarbeitete eine Reihe von Erlebnissen, die ihn in der Seeschlacht von Lepanto prägten und die zahllosen Dialoge lassen seine Vorliebe zum Theater zum Vorschein kommen.

Sein Werk Don Quijote verkörpert heute eine ganze Epoche, einen nationalen Charakterzug und eine Sehnsucht der Spanier, wie kaum eine zweites Werk der Literaturgeschichte.

400. Todestag von Cervantes

Im Jahr 2016 wurde der 400. Todestag von Cervantes mit zahlreichen Ausstellungen, Aufführungen und Kongressen gefeiert, denn der Schriftsteller starb im Jahr 1616 an den Folgen einer Diabetes. Mittlerweile geht man zudem laut dpa davon aus, dass Cervantes sterbliche Überreste in einem Kloster in Madrid begraben sein könnten. Lange Zeit interessierten sich die Spanier nicht dafür, wo seine Grabstätte sein könnte, denn in Spanien herrscht bisweilen nach wie vor die Einstellung, dass die Toten keine Macht mehr haben, sie keinen Nutzen bringen und sie deshalb niemanden etwas angehen sollten, wie der Erfolgsautor Javier Marías in einer Kolumne der Zeitung "El País" einst beklagte.

Einfluss von Cervantes Werken auf die Literatur

Cervantes beeinflusste nachhaltig die moderne Romankunst als solches. Dies gelang ihm im Wesentlichen mit seiner Don Quijote Reihe, deren erster Teil bereits 1605 erschien. Wie auch NDR ausführlich erläuterte, ist es insbesondere das raffinierte Spiel mit der fiktionalen Wirklichkeit, das als geschickter Kunstgriff als einer der Ausgangspunkte für die moderne Romankunst gilt. Bedeutend ist der Umstand, dass die Mechanismen des Spiels mit der fiktionalen Wirklichkeit im Roman selbst offengelegt werden, denn am Ende des Buches heißt es "Für mich allein ward Don Quijote geboren und ich für ihn: Er verstand zu handeln und ich zu schreiben..." Mit diesem geschickten Kniff bekannte sich der Autor selbst zur Identität von Autor und Figur zugleich.

Man kann daher durchaus eine Parallele zwischen Cervantes Werken und modernen Romanen wie Harry Potter von J.K. Rowling ziehen, obwohl beide Romane auf den ersten Blick natürlich keine Gemeinsamkeiten aufweisen.

Einfluss seiner Werke auf die Kultur

Am ehesten tritt Cervantes heute in Erscheinung, indem wir uns in einem der "Don Quijote" betitelten Restaurants wiederfinden, derer es nicht nur in Deutschland zahlreiche gibt. Der Einfluss geht aber noch viel weiter. Cervantes war ein Spieler und Theater-Liebhaber. Beides prägt unsere heutige Kultur, denn einerseits finden sich zahlreiche Theaterstücke zu seinem Epos und andererseits tritt auch heute noch seine Vorliebe für das Glücksspiel in Erscheinung. Sie hatte Einfluss auf einige seiner Werke wie beispielsweise die Erzählung Rinconete y Cortadillo aus den Novelas Ejemplares Kurzgeschichten, wie bei Betway beschrieben. In einem der Werke geht es um das Spiel Ventuina, was auf Spanisch so viel bedeutet wie '21'. Hieraus entwickelte sich angeblich die spätere und heute in Casinos sehr beliebte Kartenspiel-Variante des '21' - Blackjack.

Utopischer Possibilismus

Neben diesen direkten und unmittelbaren Einflüssen, wird Cervantes aber auch ein Weiterbringen des utopischen Denkens zugeschrieben. Denn insbesondere bei ihm kam im Vergleich zu Schriftstellern wie Boccaccio (übrigens ebenfalls ein Kandidat, dem man häufig in Form eines nach ihm benannten Restaurants begegnet) erstmals der Faktor Zeit bei dem Gedanken ins Spiel, über das klar wird, wie es geschehen kann, das heute nicht mehr gilt, obwohl es früher gegolten hat. Cervantes hat etwas, was morgen zur Regel wird, was heute noch eine Ausnahme darstellt, in den Bereich des Möglichen gerückt und damit vorstellbar gemacht. Gedanken wie dieser sind beispielsweise im Buch über Explizite und implizite Diskurse im Don Quijote als utopischer Possibilismus festgehalten, wurden dadurch zum Bestandteil verschiedener Abhandlungen wie der von H.-J. Neuschäfer und haben so den Gedanken der Utopie nachhaltig beeinflusst und nach vorne gebracht.

Fazit

Als bedeutendster spanischer Schriftsteller und als National-Idol ist Cervantes insbesondere durch Don Quijote deutlich mehr als einfach nur ein Schriftsteller. Bis in unsere heutige Zeit ist sein Einfluss spürbar und omnipräsent. Obwohl über ihn selbst so wenig bekannt ist, begegnet er uns nicht nur in Form von Restaurants, die nach ihm benannt sind oder Theaterstücken seiner Werke, sondern seine Methoden finden sich in modernen Romanen wieder, seine Eigenschaft als Spieler hat die Casinowelt durch den Klassiker Blackjack beeinflusst und der utopische Possibilismus beeinflusste den Utopiegedanken nachhaltig und weitreichend. Daher kann Cervantes als ein Schriftsteller bezeichnet werden, der wie kaum ein Zweiter unsere moderne Kultur, unsere Literatur und unsere heutige Gesellschaft mit geprägt und beeinflusst hat.