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Der Reiz der Karten

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 31. Januar 2019

Strenge Minen, Sonnenbrillen, das Klirren von Chips und trockene Stimmen, die Spielzüge ansagen: Poker ist ein Kartenspiel, dass an Spannung und Prestige schwer zu überbieten ist. Zu sehr genießen Zuschauer und Kenner den Wettstreit zwischen Spielern, die sich im Laufe einer Partie kennenlernen und austricksen, zu sehr fiebern Spieler selbst dem Nervenkitzel eines Turniers entgegen. Poker selbst ist dabei schon seit Jahren in Amerika und Europa äußerst beliebt, dank Internet aber nun kurz davor, eines der meist gespielten Spiele überhaupt zu werden.

Als vorungefähr 20 Jahren amerikanische Fernsehsender damit anfingen, nahezu jede Woche Pokerturniere aufzuzeichnen oder gar live auszusenden, änderte dies schlagartig die öffentliche Meinung über dieses Kartenspiel. Was einst als verrucht und kriminell galt, war plötzlich im Mainstream angekommen. Dies führte zu einer ersten großen Welle an neuen Spielern, schließlich lassen es selbst so riesengroße Wettkämpfe wie die World Series of Poker zu, dass sich jeder Hobbyspieler dafür qualifizieren kann. Poker begann zu wachsen.

Ein goldenes Zeitalter

Als 2003 schließlich ein Buchhalter die Chance wahrnahm, sich bei einem der ersten Online Poker – Portale überhaupt für die World Series zu qualifizieren, konnte noch niemand ahnen, dass wenige Woche später bereits Geschichte geschrieben würde. Der junge Chris Moneymaker – seine Vorfahren änderten ihren Namen aus dem deutschen „Nurmacher“ – gewann das gesamte Turnier und wurde so über Nacht zum Weltstar. Die Geschichte war perfekt: Ein Amateur mit festem Job qualifiziert sich für das größte Pokerturnier der Welt, setzt sich gegen Veteranen und Spielerlegenden durch und gewinnt das Turnier und der Bann war gebrochen, Online Poker boomte wie noch nie zuvor.

Seitdem tummeln sich nicht nur immer mehr internationale Spitzenspieler bei Turnieren in Nordamerika, Europa, dem arabischen Raum und Südostasien, der Beruf „Pokerspieler“ ist mittlerweile nicht bloß akzeptiert, er wurde sozusagen zum Traumberuf einer ganzen Generation. Daher überrascht es nicht, wenn sich jeden Tag Millionen von Spielern auf diversen Plattformen dem Online Poker hingeben. Angefeuert von Instagrams, Tweets und Facebook Postings, in denen professionelle Spieler die eigenen Reichtümer und den eigenen Lebensstil preisen, versuchen es mehr oder minder geübte Spieler, es ihren Idolen gleichzutun. Das Resultat? Online Poker ist ein stetig wachsender Markt, der scheinbar krisenfest Betreibern von Online Casinos und Pokerturnieren.

Vom Zeitvertreib zum Hobby

Generell benutzen immer mehr Menschen das Internet zu ihrem Zeitvertreib, und dass nicht erst seitdem es ausgezeichnete Streamingdienste gibt, die langsam aber sicher traditionellen Fernsehsendern den Rang ablaufen. Online Gaming und Konsorten werden nicht nur zur Alternativkarriere der jungen Generation (siehe Zukunft des E-Sports) sondern auch zum weitläufig akzeptierten Hobby, welches im Gegensatz zu anderen Unterhaltungsbranchen gleich für mehrere Altersgruppen attraktiv erscheint und über viele soziale Schichten hinweg relevant bleibt. Dank geringer Investitionskosten (leistungsfähige Smartphones sowie Mobilfunktarife mit Datenguthaben werden schließlich immer leistbarer) fällt immer mehr Menschen die Entscheidung leicht, sich statt dem Kino sozusagen in ein virtuelles Casino zu begeben und dort nach Lust und Laune zu spielen. Poker ist hier für nahezu jeden der Hauptgrund, es zumindest einmal zu probieren, womit sich der Kreis definitiv schließt. Dies bedeutet allerdings auch, dass man als interessierter Spieler stets vergleichen sollte, wo das Spielen im Internet am sichersten und lukrativsten ist. Selbst Pokerportale, bei denen man schon seit Monaten gespielt hat, können plötzlich ihre Regulierungen ändern – meist sind Spieler selbst dann die Leidtragenden. Oder aber sie verabsäumen es, sich an Novellierungen zu halten, wie man 2018 mit der Einführung der GDPR durch die EU so eindrucksvoll sehen konnte.