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Cocooning – bleibt der gemütliche Trend auch nach Corona?

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 12. Mai 2022

In den Hochphasen der Corona-Pandemie verbrachten viele Menschen gezwungenermaßen mehr Zeit in ihren eigenen vier Wänden. So verwunderte es auch nicht, dass der Inneneinrichtung gesellschaftsübergreifend mehr und mehr Bedeutung beigemessen wurde. Denn wenn man schon zuhause bleiben musste, dann sollte es auch gemütlich sein. Mit der Zeit entwickelte sich aus dieser Sichtweise ein einflussreicher Trend – Cocooning, das gemütliche Einigeln in der heimischen Umgebung. Doch wird das Phänomen auch nach der Pandemie bestehen bleiben?

Cocooning – keine neue Erscheinung

Cocooning ist nichts gänzlich Neues. Wenn es draußen ungemütlich wird, zieht man sich in sein gemütliches Heim zurück und schließt es nach außen ab – das war schon immer so. Dabei muss der Rückzug in die Gemütlichkeit nicht nur eine Reaktion auf Sturm, Kälte und Regen sein. Auch während gesellschaftlich und politisch unruhiger Zeiten neigen Menschen dazu, sich zuhause einzuigeln und eine Grenze zwischen sich und der Außenwelt zu ziehen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Begriff Cocooning in den 80er Jahren während des Kalten Krieges geprägt wurde.

Mit der globalen COVID-19-Pandemie erlebt der Trend nun eine Renaissance. So haben ab April 2021 vor allem die Angst vor Ansteckung, Abstandsregeln und Ausgangssperren Menschen dazu veranlasst, in ihren eigenen vier Wänden Schutz zu suchen – wie eine Raupe in ihrem Kokon (engl. Cocoon).

Homing, Cocooning & Co. – wo liegen die Unterschiede?

Die Grenzen zu anderen Wohntrends wie „Homing“, „Hygge“, der traditionellen deutschen Heimeligkeit oder „Cosy Minimalism“ sind fließend. Grundsätzlich geht es bei allen darum, das eigene Zuhause möglichst gemütlich einzurichten und zum entspannten Lebensmittelpunkt zu machen.

Die eigenen vier Wände werden als lebendes Projekt und als Ausgleich zum öffentlichen Raum und zum Homeoffice betrachtet. Für Cocooning-Fans stiften sie einen Hort der Geborgenheit, verleihen dem aus den Fugen geratenen Alltag neue Struktur und lassen so ein Gefühl von Kontrolle entstehen.

Viele Reisebudgets flossen in das eigene Zuhause

Wirft man einen Blick auf die Einrichtungsbranche, kann man in den letzten 2,5 Jahren zwei Trends beobachten. Auf der einen Seite haben der Lockdown und die Schließung der Geschäfte dazu geführt, dass die Umsätze massiv einbrachen. So konnten die Leute nicht mehr wie gewohnt einkaufen und verlegten ihre Konsumwünsche in die Zukunft.

Auf der anderen Seite zeichnete sich im Sommer die Entwicklung ab, dass die Geschäfte wieder öffneten und die Menschen aufgrund von Reisebeschränkungen begannen, ihre Urlaubsbudgets umzuschichten.

So wurde dann zum Beispiel das Bad renoviert, eine Einbauküche geplant oder der Balkon wieder hergerichtet. Auch investierten Menschen vermehrt in Lüftungssysteme, um einerseits ein möglichst behagliches Raumklima zu schaffen, andererseits aber auch die Ausbreitung von Viren über Aerosole einzudämmen.

Cocooning auch nach Corona?

Experten gehen davon aus, dass der Cocooning-Trend noch einige Zeit anhalten wird. In der seit mehr als zwei Jahre andauernden Pandemie haben viele Menschen darin einen Gegenentwurf zu großen Menschenansammlungen im Freien und Freizeiteinrichtungen wie Clubs gefunden. Auch die Möbelhersteller reagieren auf die veränderte Nachfrage und bieten ihren Kunden eine große Vielfalt raffinierter Einrichtungsideen an, sodass es noch lange lohnenswert sein dürfte, sich auf die Suche nach neuen spannenden Einrichtungsideen zu begeben.

Darüber hinaus wird ein gemütliches und sichereres Zuhause auch in Zukunft immer ein zentrales Grundbedürfnis bleiben, auch wenn aktuelle Krisen wie die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg überwunden werden. Dabei könnte eine künftige Entwicklung darin bestehen, dass Cocooning mehr und mehr in Wechselwirkung mit anderen Formen der Entschleunigung tritt. So erfreuen sich etwa auch Wanderurlaube mit der Familie immer größerer Beliebtheit.