©

CBD Liquid und Co. - bald auch in Deutschland ein Verkaufsschlager?

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 13. September 2018

Die Wellness- und Lifestyle-Szene hat einen neuen Liebling: CBD - oder ausgesprochen Cannabidiol, ein Wirkstoff, der sich in Cannabis-Pflanzen findet. "High" macht CBD nicht, soll aber über entspannende, entzündungshemmende und stimmungsaufhellende Wirkung verfügen, und das vollkommen legal.

In der Schweiz und in den Vereinigten Staaten sind mit CBD versetzte Produkte wie CBD Liquid für die E-Zigarette, Bonbons, Öle oder Pflegeprodukte der letzte Schrei und gehen weg wie warme Brötchen. Doch wird dieser Trend auch nach Deutschlands überschwappen? Erhältlich ist CBD hier bereits, der große Boom ist bis heute allerdings ausgeblieben.

Cannabis beim Discounter?

Ja, tatsächlich bietet der Discounter-Supermarkt Lidl bereits seit April Hanfblüten zum Verkauf an. Diese sollen als Ersatz für herkömmlichen Tabak zum Drehen genutzt werden. Möglich und legal wird das durch den besonders geringen THC-Anteil. Das Tetrahydrocannabinol ist der Wirkstoff, der über eine psychoaktive Wirkung verfügt - also high macht. Um legal auch in Deutschland verkauft werden zu dürfen, muss der THC-Gehalt in der Cannabis-Pflanze unter einem Prozent liegen.

Ebenfalls in der Schweiz an der Kasse ausgesuchter Supermärkte zu finden: Hanf-Zigaretten. Die lösten sogar einen regelrechten Ansturm aus, als sie bei Coop und der Migros Tochter Denner in den Regalen landete. Das CBD-Hanf wird in der Ostschweiz angebaut - und so überraschte auch der Name nicht "Heimat Tabak & Hanf". Zwar möchten die Hersteller keine genauen Verkaufszahlen bekannt geben, nur so viel verrät man: zu Beginn des Verkaufs stellte das Unternehmen rund 8.000 Päckchen mit je 20 Hanf-Zigaretten her. Heute sind es bereits 30.000 Päckchen pro Woche - mit steigender Tendenz.

Mit CBD zu einem besseren Allgemeinbefinden?

So weit wie in der Schweiz ist Deutschland noch nicht. Aber auch hier gibt es bereits mit CBD versetzte Liquids für die E-Zigarette und Öle zur oralen Einnahme legal zu kaufen. Die Wirkungsweise soll dabei recht breit gestreut sein: neben einer stimmungsaufhellenden und entspannenden Wirkung soll das CBD beispielsweise auch bei leichten Angststörungen oder Schlafbeschwerden helfen können. Auch entzündungshemmende Wirkungen werden dem Cannabidiol zugesprochen - davon können beispielsweise all jene profitieren, die unter Problemen mit dem Magen-Darm-Trakt zu leiden haben. Und selbst bei chronischen Schmerzen sollen CBD Liquids und Öle helfen können.

Allerdings gibt es bis jetzt keinerlei Regelungen für Produkte aus CBD-Hanf. Wie viel von dem Wirkstoff sich also in einem Produkt befindet, kann von Marke zu Marke stark unterschiedlich sein. Bevor man hier also Geld in die Hand nimmt - denn günstig sind CBD-Produkte sicher nicht - lohnt sich ein Vergleich mit Konkurrenzprodukten. Und vor allem sollte man CBD-Öl auf keinen Fall mit Hanföl verwechseln - dieses enthält zwar auch viele positive Wirkstoffe, wird allerdings aus gepressten Samen der Pflanze hergestellt. CBD hingegen wird aus den Blüten, Blättern und Stängeln der Hanf-Pflanze gewonnen, oder gleich synthetisch im Labor hergestellt.

CBD Liquid für die E-Zigarette

Einen recht vielversprechenden Start auf dem deutschen Markt konnten CBD Liquids für die E-Zigarette hinlegen. Die Liquids, die in den Verdampfer eingefüllt und dort verdampft werden, gibt es sowohl mit Nikotin als auch ohne. Viele Nutzer glauben sogar, dass man das CBD als eine Art Nikotinersatz nutzen könne - auch wenn diese These bisher nicht durch Forschungsergebnisse unterstützt werden konnte.

Das CBD im Liquid ist dabei weder als medizinischer Wirkstoff noch als Nahrungsergänzungsmittel deklariert. Viel mehr ist es wie ein Aroma anzusehen, mit welchem das Liquid versetzt wird. CBD in seiner Reinform verfügt über keinen eigenen Geschmack, weswegen viele Anbieter CBD-Liquids mit verschiedenen zusätzlichen Aromen wie Erdbeere, Pfefferminz oder dem typischen Cannabis-Geschmack versehen.

Cannabidiol als Lifestyle-Produkt?

In Amerika, wo in 30 Staaten mittlerweile auch der Konsum von THC-haltigem Cannabis mindestens medizinisch erlaubt ist, nimmt das CBD einen ganz anderen Weg: als Lifestyle- und Wellness Produkt. So kann man mittlerweile mit CBD versetzte Cremes, Lippenbalsame oder selbst den CBD-Shot in den Matcha-Tee shoppen. Aufgezogen wird das Ganze allerdings nicht wie die typischen "Kiffer-Produkte". Man möchte mit den CBD-Artikeln möglichst von dem Schmuddel-Image wegkommen und positioniert sich in der Wellness Sparte.

Nach den Superfoods kommt nun also das Super-Gras - im schicken Hipster-Gewand und natürlich zu saftigen Preisen. Das Unternehmen MedMen in Los Angeles hat sich beispielsweise die beliebten Apple-Stores zum Vorbild genommen und bietet in seinen ultramodernen Shops CBD-Süßigkeiten und Beauty-Produkte an. Die werden nicht ausgestellt, sondern man sich ganz lässig auf dem iPad durch das Angebot scrollen.

Wird sich der CBD-Trend auch in Deutschland durchsetzen können?

Noch hält sich der Hype um Produkte wie CBD Liquids und Co. in Deutschland in Grenzen. Zwar findet man sie mittlerweile in vielen Online-Shops, aber eine Auswahl wie in den Vereinigten Staaten oder Hanfblüten an der Supermarktkasse sind zumindest momentan in Deutschland noch undenkbar.

Das hat natürlich auch mit der rechtlichen Verwirrung zu tun, da THC-haltiges Cannabis in Deutschland immer noch weitestgehend verboten ist. Um für CBD-Produkte zu werben, müsste also zunächst in den Vordergrund gestellt werden, dass es sich hierbei weder um psychoaktive noch um verbotene Substanzen handelt.

Doch es ist ein Markt, der nicht zu unterschätzen ist, weswegen man davon ausgehen kann, dass die große Welle auch hier bald losgetreten werden wird. Schließlich findet sich in dem CBD nicht nur das Potenzial für mehr Wohlbefinden, sondern für die Hersteller auch mächtig abzusahnen.