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Casino & Co.: Keine neuen Großprojekte mehr in Deutz?

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 23. Juli 2018

Lange Zeit sah es so aus, als dürfte sich Köln im Glanz eines nagelneuen großen Casinos sonnen, das am Deutzer Ottoplatz neben dem Bahnhof entstehen sollte. Doch um das Projekt ist es genauso still geworden wie um das geplante Musicaltheater auf der Deutzer Rheinseite. Wie es weitergeht, ist derzeit unklar.

Entwicklungsprojekte in Deutz stagnieren

Die riesigen ehemaligen Industrieflächen im rechtsrheinischen Deutz stehen schon lange im Mittelpunkt umfassender Neuentwicklungen. Schon 2009 legte die Stadt Köln ein umfangreiches Entwicklungskonzept für ein rund 14 Quadratkilometer großes Areal vor. Zu diesem Zeitpunkt hatte es bereits erste Neuentwicklungen wie die 2005 eröffneten Köln Arcaden in Kalk und das 2009 eröffnete Science Center Odysseum gegeben. Seitdem ist der Fernsehsender RTL in die alten Messehallen am Rhein eingezogen, doch ansonsten hat sich nicht viel getan. So wird seit gefühlt 20 Jahren darüber diskutiert, die unansehnliche blaue Zeltkonstruktion des Musical Domes am Hauptbahnhof abzubrechen und stattdessen ein echtes Musicaltheater zu bauen. Erste Pläne eines Neubaus in Deutz wurden verworfen. Stattdessen sollte das Staatenhaus am Rheinufer umgebaut werden. Doch auch diese Pläne bleiben vorerst in der Schublade: Durch die endlosen Verzögerungen bei der Sanierung des Opernhauses wird das Staatenhaus zunächst weiter als Ausweichspielstätte der Oper genutzt. Der Mietvertrag für den Musical Dome wurde derweil bis 2022 verlängert, um die publikumsträchtigen Musicals nicht zu verlieren. Man darf gespannt sein, was zuerst eröffnet: Die sanierte Kölner Oper oder der Berliner Flughafen.

Casinopläne vom Tisch?

Während das Musicaltheater möglicherweise irgendwann noch kommen wird, wurden die Pläne für das neue Casino am Ottoplatz scheinbar stillschweigend beerdigt. Noch Ende 2016 wurde der Neubau mit großer Fanfare als größtes Casino Deutschland angekündigt, doch Anfang 2018 wurden Gerüchte laut, wonach Casinobetreiber Westspiel sich bereits nach anderen Standorten umschaut. Hintergrund sind die schwächelnden Umsätze in den anderen Casinos in NRW, die seit Jahren stark zurückgehen. Während in anderen Regionen der Welt wie in Asien und Nordamerika das Glücksspiel boomt und immer neue riesige Casinos entstehen, sind die Besucherzahlen in Europa rückläufig. Den Casinos haftet ein angestaubtes Image an während im Internet unzählige Onlinecasinos mit kostenlosen Spielautomaten und anderen Angeboten locken. Da bleiben die meisten lieber zwanglos auf der Couch zuhause. Wurde das neue Kölner Casino zunächst als Heilsbringer betrachtet, dessen Gewinne die Verluste der älteren Spielbanken in Aachen, Bad Oeynhausen und Dortmund abfedern sollten, scheinen selbst die Betreiber mittlerweile vor der geplanten Investition von 23,17 Mio. Euro zurückzuschrecken.

Die Kölner Hafencity soll ab 2020 gebaut werden

Der Masterplan für die Schäl Sick sieht noch zahlreiche weitere Projekte vor, bei denen vor allem Bürobauten und Wohnraum im Mittelpunkt stehen. Bereits im Aufbau ist das neue Business-Quartier im Barmer Viertel, das bis 2023 fertiggestellt werden soll. Hier sollen rund um den Neubau des Hauptquartiers der Zurich-Versicherung weitere Büros, Einzelhandelsgeschäfte, Gastronomie und Hotels entstehen. So mancher mag die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn die Worte "Das nächste Kölner Großprojekt" fallen, doch es ändert nichts daran, dass 2020 mit dem Umbau des Deutzer Hafens begonnen werden soll. Die zukünftige Kölner "Hafencity" soll ähnlich wie ihr Hamburger Vorbild eine Mischung aus Büroflächen und Wohnraum sein. Bleibt zu hoffen, dass die kölsche Variante nicht so steril wird wie die hanseatische Variante. Im Rheinau-Hafen mit seinen markanten Kranhäusern ist es ja doch recht gut gelungen.

…und der Kölner Westen?

Odysseum, Lanxess-Arena, Claudiustherme, Staatenhaus, Tanzbrunnen und vielleicht ein Casino: Die Schäl Sick hat sich immer stärker von einem ehemaligen Industrieviertel zum spannenden Ausflugsziel für jedes Alter entwickelt. Die einen entspannen am liebsten in der (frisch renovierten) Claudiustherme mit Blick auf den Rhein und den Dom, die anderen feuern die Haie in der Lanxess-Arena an und wieder andere genießen die Konzerte und Opern im Staatenhaus und Tanzbrunnen. In der linksrheinischen City tut sich dagegen nicht viel. Immerhin wird die riesige Baulücke gegenüber dem Kaufhof bald geschlossen sein. Hauptmieter ist dort die japanische Modekette UniQlo, die vor allem günstige Basics anbietet.

Derweil wird weiter über einen potenziellen Tunnel für die Linien 1, 7 und 9 auf der Westachse debattiert, um vor allem den Neumarkt zu entlasten. Die ganz große Lösung wäre hier ein Tunnel vom Deutzer Bahnhof unter dem Rhein hindurch bis zum Aachener Weiher hinter der Innenstadt. Da schaudert's dem Kölner, der bis heute in das riesige Loch des Stadtarchivs am Waidmarkt blickt…

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