Wunderbares Neuseeland: Lohnt sich der Trip ans andere Ende der Welt?

von Portrait von Thilo Nemitz Thilo Nemitz
Veröffentlicht am 6. März 2014

Kennt noch jemand „Die Märchenbraut“? Diese tschechische Kinderserie, mit diesem magischen Ring, der Prinzessin Arabella und dem Zauberer Rumburak? Darin kam ein fliegender Koffer vor, mit dem zwei Kinder blitzschnell an weit entfernte Orte reisen konnten. Wie ich darauf komme? So einen magischen Koffer hätte ich auch gerne gehabt, als ich ans andere Ende der Welt, nach Neuseeland, gereist bin. Ich hatte jedoch nur einen stink-normalen Koffer aus der „Koffer-Arena“ mit dem ich 33 Stunden Reisezeit auf mich nehmen musste. Der Wahnsinns-Trip gestaltete sich wie folgt: Erst ging es mit dem Taxi in Bonn zum Bahnhof. Dann mit der U-Bahn nach Siegburg, um den Zug nach Frankfurt zu erwischen. Vom Frankfurter Flughafen durften wir nach Dubai fliegen. Dort umsteigen und weiter fliegen nach Bangkok. Mal kurz Zwischenlanden zum Nachtanken. Dann weiter zu den Kängurus nach Sydney. Hier noch mal tanken. Und zu guter Letzt, als ich schon nervlich und körperlich auf dem Zahnfleisch ging, rüber nach Christchurch, Neuseeland.

Absoluter Wahnsinn! Und doch kann ich den Trip in Retrospektive nur jedem empfehlen, der sich den verhältnismäßig teuren Flug leisten kann. Besonders gut Betuchte sollten in Hinsicht auf weniger Rückenschmerzen beim Sitz-Marathon sogar mindestens Business Class fliegen und/oder längere Zwischenstopps zwecks noch mehr Urlaub in Thailand und Australien einplanen. Aber egal wie ihr nach Neuseeland kommt, das Naturerlebnis wird euch immer in Erinnerung bleiben. Ich muss ja gestehen, dass ich damals, als der erste Herr der Ringe-Film im Kino lief, bereits den Entschluss gefasst hatte, eines Tages nach „Mittelerde-Neuseeland“ zu reisen. Doch erst im letzten November reichten endlich Zeit und Geld aus, um auf den Spuren der Hobbits zu wandeln.

Aber nicht nur Peter Jacksons Filme rund um die Tolkien-Mythologie spielen im Land der Kiwis.
Bei genauerem Hinsehen wurden bereits sehr viele Filme, die mit faszinierender Natur und grandiosen Panorama-Shots begeistern können, in Neuseeland gedreht. The Last Samurai mit Tom Cruise zum Beispiel, die Narnia-Filme, TV-Serien wie die auf dem Roman The Sword of Truth von Terry Goodkind basierende Legend of the Seeker und unzählige andere auch. Und solange der Fantasy-Hype im Kino anhält, werden noch viele Filme das riesige Angebot Neuseelands an verschiedensten Natur-Kulissen für ihre Optik nutzen. Wie anders und zauberhaft die Vegetation teilweise am anderen Ende der Welt ist, zeigt diesbezüglich auch die Tatsache, dass James Cameron für seine nächsten Avatar-Filme Neuseeland als Pandora benutzen möchte.

Aber ich schweife etwas ab. Doch man kann angesichts der Natur Neuseelands, wo teilweise sogar Palmen und Schnee auf einem Foto vereint werden können, auch leicht ins Schwärmen geraten – nicht nur als Film-Freak. Wir haben Aotearoa, das „Land der langen weißen Wolke“, wie die einheimischen Maori ihre Heimat Neuseeland nennen, übrigens 4 Wochen lang mit dem Wohnwagen bereist. Viel weniger Zeit solltet ihr jedoch auch nicht einplanen, wenn ihr Möglichst viele must see-Orte auf Süd- und Nordinsel sehen möchtet. Selbst mit dem Wohnwagen haben wir innerhalb von 4 Wochen nicht alles geschafft, denn gerade die Südinsel streckt sich doch mehr in die Länge als man denkt. Im Folgenden möchte ich aber wenigstens meine persönlichen Empfehlungen geben:

Wenn man auf der Südinsel in Christchurch ankommt, bietet sich als erstes, schnell zu erreichendes Ziel die nahe gelegene Halbinsel Akaroa mit ihren grünen Hügeln und verträumten Küstendörfern mit französischen Straßennamen an. Von da aus solltet ihr auf jeden Fall weiter ins Landesinnere zum See „Tekapo“ fahren, der wie viele Flüsse und Seen in der Region Canterbury und Otago ein silbriges Sediment enthält, welches ihn im Sonnenschein hellblau leuchten lässt. Fantastisch!

In den “Catlins” weiter im Süden warten die an große Dracheneier erinnernde Moeraki Boulders am Strand oder der Leuchtturm am Nugget Point mit seinem Ausblick auf die wie Gold-Nuggets in der Sonne leuchtenden Felsen im Wasser.

An der Westküste kann ich nur wärmstens den Milford Sound empfehlen, mit seinen erhabenen Bergen, wunderschönen Fjorden und den frechen, grünen Papageien namens „Keas“, die Evolutions-bedingt, weil sie nie Fressfeinde hatten, keine Angst kennen und sich auf fahrende Autos setzen. Nur die hartnäckigen Sand Flies, die fies juckende Stiche verursachen, nerven ein wenig auf der Südinsel. Doch glücklicherweise gibt es sie eigentlich nur an der Westküste der Südinsel und im übrigen Neuseeland dafür kaum. Trotzdem würde ich gerade am Milford Sound zu geschlossener Kleidung und Insekten-Repellant raten.

Von den vielen wunderschönen Städten Neuseelands haben es mir besonders die kleineren angetan, wie das idyllisch gelegene Queenstown oder das verträumte Wanaka. Hier kann man wunderbar die Seele baumeln lassen und dabei Sushi essen, was überall in Neuseeland fantastisch schmeckt und sehr günstig ist.

Als wir von Nelson zur Nordinsel nach Wellington über gesetzt waren, sind wir recht schnell ins Landesinnere zum Tongariro National Park mit seiner apokalyptischen Landschaft und seinen Kraterseen gefahren. Wem Schwefelgestank nichts ausmacht, kann sich nicht weit entfernt, im vulkanisch aktiven Gebiet von Roturua an kochenden Seen, blubbernden Schlammgruben und Geysiren erfreuen.

Doch dann hielt mich als Herr der Ringe-Fan nichts mehr und wir fuhren noch weiter in den Norden nach Matamata, wo seit den Hobbit-Filmen das komplette Filmset „Hobbiton“ rekonstruiert wurde und jeden Tag von einer wahren Armee von Landschaftsgärtnern für Besucher in Schuss gehalten wird. Durch dieses wunderschöne Areal mit seinen über 40 Hobbit Holes zu wandern – unter diesen natürlich auch Bilbos berühmtes „Bag End“ - und am Ende ein Bier im voll funktionstüchtigen Green Dragon Inn zu trinken, war sicherlich eins der Highlights auf der Nordinsel.

Ganz im Norden verbrachten wir dann noch ein paar erholsame Tage an den Stränden der atemberaubend schönen Coromandel Halbinsel, wo es mir besonders die versteckte Bucht des Cathedral Cove angetan hatte. Und am Ende unserer Reise haben wir noch die berühmten Baumriesen namens „Kauris“ bewundert, bevor wir schweren Herzens von Auckland unseren Rückflug antraten. Neuseeland wird sicherlich immer die schönste Reise in meiner Erinnerung bleiben, einfach weil die beiden Inseln eine so große natürliche Vielfalt zu bieten haben. Und da die Kiwis ein wirklich nettes Völkchen sind und mich tausende von Schafen im Landschaftsbild nicht sonderlich stören, kann ich mir gut vorstellen eines Tages noch einmal dorthin zurück zu kehren.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann hier in meinem Neuseeland-Tagebuch in mehreren Artikeln einen ausführlichen Reisebericht nachlesen und sich an noch mehr Fotos ergötzen. Aber Vorsicht, ansehen auf eigene Gefahr! Fernweh und der Wunsch eine lange Reise anzutreten könnten die Folge sein.