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Wozu ist eigentlich das Standesamt da?

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 8. März 2017

Jeder kennt es, doch nur wenige wissen präzise, wozu es dient und was es leisten soll – die Rede ist vom Standesamt. Spätestens, wenn wir heiraten, eilen wir zu diesem Amt und im allgemeinen Sprachgebrauch wird das Standesamt auch häufig mit dieser Aufgabe, der Verwirklichung von Eheschließungen, assoziiert. Doch das Amt ist auch für Geburtenregistrierungen und analog auch für die Eintragung von Todesfällen da. Doch woher stammt dieses Prozedere eigentlich und was genau leistet ein Standesamt in der heutigen Zeit? Wir klären auf.

Kleine Geschichte des Standesamtes

Standesämter in der zivilrechtlichen Form gibt es in Deutschland noch gar nicht so lange. Erst einige Jahre nach der Reichsgründung 1871 etablierten sich die Ämter, die seitdem für sogenannte Personenstandsfälle verantwortlich sind, also Geburt, Ehe und Tod. Vorher nahm ausschließlich die Kirche diese Aufgaben wahr. Doch mit der Säkularisierung, also der strikteren Trennung von Kirche und Staat, musste eine Behörde geschaffen werden, die unabhängig von der Kirche war und rein bürgerlich-rechtlich fungierte. Anfangs reichte es aus, wenn der Bürgermeister einer Gemeinde oder eines Bezirks diese Aufgabe wahrnahm, doch mit der wachsenden Bevölkerung brauchte es bald weitere Verwaltungsbeamte und –angestellte. Heute haben jeder Landkreis, jede kreisfreie Stadt und in Großstädten auch jeder Bezirk ein eigenes Standesamt. In Ausnahmefällen, die nicht ins Schema passen – etwa bei besonderen Angelegenheiten mit dem Ausland – fungiert das Standesamt I in Berlin als zentrale Stelle.

Das moderne Standesamt im Internet

Wie viele andere Ämter und Behörden, so versucht auch das Standesamt, mit der Zeit zu gehen und viele organisatorische Dinge online abzuwickeln. Dem Bürger soll so ermöglicht werden, nicht länger als nötig auf Termine und Dienste zu warten. Leider ist bei den meisten Vorgängen aber immer noch die persönliche Anwesenheit und eine eigenhändige Unterschrift zwingend, weswegen es vor allem in Großstädten oft zu Verzögerungen kommt. Für viele Aufgaben, die vom heimischen PC aus erledigt werden können, gibt es zudem hilfreiche Webseiten wie etwa standesamt.com. Auf dieser Seite finden sich nicht nur Tausende von Adressen bundesweiter Standesämter sowie Informationen und Kontaktdaten, sondern auch ein Formularassistent, der einem viel Arbeit abnehmen kann.

Die wichtigsten Aufgaben des Standesamtes

Wie bereits erwähnt, haben die Standesämter vor allem drei große Aufgabenbereiche abzudecken, nämlich die Registrierung von Geburten, das Durchführen von Eheschließungen aus rechtlicher Sicht sowie das Eintragen von Todesfällen ins Sterberegister. Darüber hinaus wirken die Ämter natürlich auch bei der Bevölkerungsstatistik mit und stellen zudem Personaldokumente aus. In manchen Regionen werden auch Kirchenaustritte über das Standesamt abgewickelt.

Geburten

Die Anzeige von neuen Bundesbürgern gehört sicherlich zu den schöneren Aufgaben eines Standesbeamten. Im Jahre 2015 erblickten über 737.000 Babys in Deutschland das Licht der Welt und jedes einzelne musste bei einem der Standesämter registriert werden. Etwa ein Drittel dieser Kinder kam unehelich zur Welt, was aus Behördensicht zusätzlichen Aufwand bedeutet, da oft auch die Vaterschaftsanerkennung und die Erklärung des gemeinsamen Sorgerechts – falls gewünscht – mit abgearbeitet werden muss. Das Standesamt verhandelt übrigens auch Namensänderungen, falls Eltern sich scheiden lassen oder das Kind aus anderen Gründen seinen Nachnamen ändern soll.

Eheschließungen

Fast ebenso schön wie Geburten sind sicherlich Hochzeiten, wobei die Standesämter sich viel Mühe geben, die oft eher pragmatisch eingerichteten Amtsstuben für Eheschließungen hübsch zurechtzumachen. Eine Ehe ist in Deutschland nur dann rechtsgültig, wenn ein Standesbeamte sie schließt. Eine kirchliche Trauung von einem Geistlichen ist also eine reine Privatangelegenheit. Seit 2001 vollziehen die Standesämter auch die Eintragung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften.

Todesfälle

Weniger erfreulich, doch gleichfalls wichtig, ist natürlich die Aufnahme von Sterbefällen. Davon gab es im Jahr 2015 die Rekordsumme von mehr als 925.000, die alle in den Standesämtern verarbeitet werden mussten. In Relation mit der Anzahl der Geburten sank also die deutsche Bevölkerung ohne Berücksichtigung von Zu- oder Abwanderung um fast 188.000 Menschen.