#whyistayed #whyileft - Warum bleiben Frauen bei gewalttätigen Partnern? Wie würden Sie entscheiden?

von Portrait von Susanna Salber Susanna Salber
Veröffentlicht am 23. September 2014

Der amerikanische Football Spieler Ray Rice verprügelte im Februar 2014 seine Ehefrau bis zur Bewusstlosigkeit. Diesen Mittwoch verhing die National Football League (NFL) eine unbegrenzte Sperre über den Spieler, so FOX NEWS. Der Spieler der Baltimore Ravens wurde bei seiner Attacke gefilmt. Einen Tag nach dem Freispruch heirateten Janay Palmer und Ray Rice. Unter dem Twitterhashtag #whyIstayed und #whyIleft wird über häusliche Gewalt berichtet und diskutiert.

Die Bilder der Überwachungskamera zeigen fürchterliche Szenen. Eine Frau liegt regungslos am Boden, einen Schuh hat sie verloren, das Gesicht ist zur Seite gedreht. Neben ihr steht ein Mann. Es ist der amerikanische Footballprofi Ray Rice. Nach seinem Übergriff auf seine damalige Verlobte verhing die NFL eine Geldbuße und sperrte Rice für zwei Spiele. Es hagelte große Vorwürfe und eine Welle der Empörung ging über die NFL hinweg. Nachdem jetzt ein Video von der Tat aufgetaucht ist, musste die NFL reagieren. Janay Palmer wurde mehrmals vorgeworfen, Rice trotz des Übergriffes geheiratet zu haben. Warum bleiben Frauen bei Männern, die sie schlagen und missbrauchen?

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Unter dem Hashtag #whyIstayed und #whyIleft erzählen Opfer häuslicher Gewalt ihre Geschichten und was sie dazu veranlasst hat, zu bleiben oder zu gehen. 140 Zeichen die manchmal plausibel klingen, Hoffnung geben oder nehmen und leider fast immer sehr verstörend sind. Es werden auch Mechanismen und Mythen aufgedeckt. Erstens: Gewalt in der Beziehung erkennt man. Nein, denn dann würde man auch Mörder als solche erkennen. Tweets wie: “ #whyistayed No one believed educated handsome charming men like father & 1st husband were abusive #whyileft began trusting own judgment” zeigen es.

Ein weiterer Tweet erzählt die Erfahrung einer Frau, der von ihrer Mutter „beigebracht wurde, die Makel ihres Mannes zu akzeptieren“. Eine dritte redete sich ein, es sei nur „ein einmaliger Vorfall“, weil „die Person, die ich liebe und der ich mich verschrieben habe, doch nicht mein Peiniger sein könnte“. Zweitens zeigen viele Tweets die psychische Manipulation, denen viele Opfer ausgesetzt sind. „I tried to leave the house once after an abusive episode, and he blocked me. He slept in front of the door that entire night. #WhyIStayed“ . Oft handelt es sich um Stalking, Demütigungen oder Gehirnwäsche. Viele Opfer werden von ihren Peinigern manipuliert: „Ich sah nicht ein, dass ich mehr verdiene, weil er mir immer das Gegenteil sagte“, lautet ein entsprechender Tweet. Auch religiöse Motive tauchen als Motivation für das Bleiben auf: „"@bevtgooden:I stayed because my pastor told me that God hates divorce. It didn't cross my mind that God might hate abuse, too. #WhyIStayed".

Drittens wird häusliche Gewalt oft verharmlost – auch von den Opfern. Rund 25 Prozent der Frauen im Alter von 16 bis 85 Jahren haben in Deutschland körperliche und/oder sexuelle Gewalt in Beziehungen erlebt. Eine EU-weite Studie vom März dieses Jahres zeigt, dass Frauen im Alter von 18 bis 29 Jahren besonders gefährdet sind. 43 Prozent der Frauen in der EU waren einer Form psychischer Gewalt durch einen Partner oder eine Partnerin bereits ausgesetzt.

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