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Nur zu Weihnachten – die Lotterie der Superlative

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 2. Dezember 2017

Die Weihnachtszeit hat ganz besondere Eigenheiten: Weihnachtsmärkte, Glühwein, Adventskränze, die Hoffnung auf „weiße Weihnacht“ – sowie besondere Gelegenheiten, die sich nur einmal im Jahr bieten. Eine von ihnen ist die große spanische Weihnachtslotterie – eine Lotterie, bei der vieles anders ist, als man es eigentlich kennt.

Alt und anders

Millionen Menschen in Deutschland und anderswo in der Welt spielen gelegentlich oder regelmäßig Lotto. Zur Weihnachtszeit richten sich die Blicke der Tipper aber geballt auf ein Land, und zwar auf Spanien. Warum? Ganz einfach: Dort findet seit 1812 einmal im Jahr, nämlich immer zur Weihnachtszeit, eine ganz besondere Lotterie statt – was sie zur ältesten der Welt macht. Doch die spanische Weihnachtslotterie „Lotería de Navidad“ ist nicht nur wegen ihrer mehr als 200 Jahre währenden Tradition etwas ganz Spezielles.

Die Hauptziehung am 22. Dezember heißt „El Gordo“, was auf Deutsch ungefähr so viel wie „der Fette“ bedeutet. Diesen Namen kann man getrost wortwörtlich verstehen, denn der Jackpot ist jedes Jahr prall gefüllt: Etwa 2,3 Milliarden Euro werden an die Gewinner ausgeschüttet. Ebenso ungewöhnlich wie die Größe des Jackpots sind auch Tippmodus und Gewinnchancen. Die Losnummern sind lediglich fünf Ziffern lang, und es können nur die Zahlen von 0–9 getippt werden – das entspricht einer Chance von 1:100.000 auf „5 Richtige“. Es gibt verschiedene Varianten für den Loskauf, bei der günstigsten Variante winken für einen Volltreffer 400.000 Euro. Zum Vergleich: Beim klassischen „6 aus 49“ sind die möglichen Einzelgewinne je nach Ziehung zwar höher, dafür liegt die Wahrscheinlichkeit, alle Zahlen richtig zu tippen, aber auch bei ungefähr 1:140 Millionen.

Gewinner und Verlierer

In Spanien ist die Weihnachtslotterie absoluter Kult, auch viele Nicht-Spieler kaufen sich zum Fest ein paar Tippscheine, oft tippen auch größere Gruppen oder gar ganze Dörfer gemeinschaftlich auf dieselben Zahlen. Dadurch kommen immer wieder interessante Geschichten zustande. Im letzten Jahr zum Beispiel wurden einige der Hauptgewinnerlose in einem Tipplokal in einem armen Madrider Arbeiterviertel verkauft – die Freude der Gewinner war verständlicherweise grenzenlos.

Eine noch kuriosere Geschichte spielte sich 2011 ab. Damals kaufte ein 228-Seelendorf gemeinschaftlich Lose – und gewann „El Gordo“. Darüber konnten sich allerdings nicht alle Einwohner freuen: Denn ein Mann war beim Losverkauf schlichtweg vergessen worden.