Mehr angezeigte Vergewaltigungen, doch weniger Verurteilungen

von Portrait von Susanna Salber Susanna Salber
Veröffentlicht am 22. April 2014

Obwohl immer mehr Frauen Vergewaltigungen anzeigen, werden die Täter seltener verurteilt. Eine neue Studie des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachens, die am 17. März veröffentlicht wurde zeigt dies. Trotz DNA- Analysen und anderer forensischer Arbeit ist die Beweislage nämlich häufig schwierig, denn die Täter sind meistens nicht die großen Unbekannten. Die Chance, dass nach einer Vergewaltigung der Täter verurteilt wird, sind in den letzten 20 Jahren immens gesunken.

Vor 20 Jahren wurden ca 22 % der Täter verurteilt. 2012 waren es nur noch 8 %. Als einen möglichen Grund nennt Christian Peiffer, der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen, die Überbelastung der Polizei und Staatsanwaltschaft. Besonders die Dokumentation der Erstaussage des Opfers sei oft entscheidend. "Selbst die zehn Prozent, die so etwas aus welchen Gründen auch immer erfinden, kann man dadurch besser herausfinden", sagte Pfeiffer zur Tagesschau. Gerade wenn der mutmaßliche Täter aus der Familie oder dem nahen Umfeld stamme, sei es wichtig, sich auf Erstaussagen stützen zu können.

Genau diese Fälle häufen sich. Pfeiffer und seine Mitarbeiter haben festgestellt, dass es immer mehr Tatverdächtige aus dem familiären Umfeld gibt. "Früher war eine wichtige Gruppe der Sittenstrolch hinterm Busch, der einer Frau auflauert." Bei einem solchen Angriff werden viele Spuren am Tatort hinterlassen. Doch die Gruppe der Fremdtäter sei weniger geworden. Der Studie zufolge sind es häufiger Männer aus dem Nahbereich, die übergriffig werden. Als einen Grund für vermehrte Anzeigen, wenn ein Familienmitglied übergriffig wurde, gilt der 1998 neu ins Gesetzbuch aufgenommene Strafbestand der ehelichen Vergewaltigung. Im Jahr 1994 waren es laut Studie noch etwa 30 Prozent der aufgeklärten Fälle, die fremden Tatverdächtigen zugerechnet wurden. Im Jahr 2012 waren es nur noch 18 Prozent. Dementsprechend stieg der Anteil der "verwandten Tatverdächtigen" in diesem Zeitraum von 7,4 auf knapp 28 Prozent.