Stuttgarter Downhill-Strecke - (c) Alexander Kappen © Alexander Kappen

Mega-Fun an der Stuttgarter Downhill-Strecke - Reportage

von Portrait von Alexander Kappen Alexander Kappen
Veröffentlicht am 18. November 2015

Das ist in ganz Deutschland einzigartig: Der Degerlocher „Woodpecker-Trail“ durch den Wald nach Stuttgart-Süd wird kommunal finanziert. Aus der ganzen Region kommen nun die Biker täglich in die Schwabenmetropole, um sich drei Minuten lang in die Tiefe zu stürzen.

Bremsen quietschen, das rauhe Reifenprofil der Spezial-Bikes scheuert auf dem Asphalt, Teenies kreischen vor Freude und immer wieder rauscht ein bunt angezoge-ner Radler nach dem anderen um die Ecke – die seit kurzem eingeweihte Downhill-Strecke von Stuttgarts Stadtteil Degerloch bis zum Stuttgarter Süden erfreut sich riesiger Beliebtheit. Rund hundert Radler kommen täglich hierher. Ein Kilometer ist sie lang, rund 300 Höhenme-ter werden dabei überwunden, zehn Jahre vergingen bis der Stuttgarter Gemeinderat sich dazu entschloss, sie aus kommunalen Geldern zu finanzieren – der Degerlocher „Woodpecker-Trail“ ist deshalb bundesweit einmalig. 300 000 Euro kostete der Rad-Spaß mit Kurven, Sprüngen und Hindernissen. Drei Monate betrug die Bauzeit.
„Eine einmalige Piste“ finden auch die Biker selbst. „Jede Menge Spaß“ bringe sie und sei für Anfänger wie auch Profis geeignet. Rund drei Minuten dauert die Abfahrt durch Matsch, über Äste und Steine. 20 Minuten dauert der Aufstieg – radelnd. Mit der Zahnradbahn vom Mari-enplatz (Stuttgarter Süden) geht es schneller. „Die fährt aber nur alle 15 Minuten“, sagen die Biker, die fast alle die Schweiß treibendere Rückfahrmethode auf dem Drahtesel bevorzugen.

Alexander KappenAlexander KappenStuttgarter Downhill-Strecke

Harald ist 45 Jahre und Jochen 34 Jahre alt. Die beiden Kumpels aus dem Stuttgarter Westen befahren die Strecke an einem Montagabend zum ersten Mal. „Wirklich cool, den Parcours könnten wir auch mit dem siebenjährigen Sohn meines Kumpels befahren. Er ist sicher, aber dennoch spektakulär gebaut, auch durch seine große Länge“, lobt Jochen. Die beiden Kumpels sind mit speziellen Mountain-Bikes vor Ort, die besonders abgefedert sind. „Mit normalen Mountain-Bikes sollte man den Downhill-Parcours nicht zu oft fahren“, sagt Jochen. Am besten geeignet sind Enduro- oder eben Downhill-Bikes, die aber alle mehrere tausend Euro teuer sind.
„Hier werden keine Fußgänger gefährdet und die Biker halten alle vorbildlich Abstand“, sagt Jochen und stürzt sich mit Harald von dem Holz-Podest auf die Strecke, um 300 Höhenmeter nach unten zu überwinden. Tatsächlich zeigen sich vorbeilaufende Spaziergänger positiv an-getan von dem 300 000 Euro teuren „Woodpecker-Trail“. „Ich laufe hier immer mit meinem Hund und früher sind die Radler alle wild im Wald herumgefahren, da wusstest du nie wann einer mal um die Ecke schießt. Das ist jetzt alles viel zivilisierter, auch wenn es nun immer einige wilde Fahrer gibt, die beim Hochfahren kaum auf ihre Umgebung achten“, sagt ein Degerlocher Anwohner, der gerade vorbeiläuft.

Michael und David, beide 15 Jahre alt aus dem nahegelegenen Stadtteil Sonnenberg, zeigen sich auf der Strecke am wildesten. Die beiden Teenager nehmen jeden Sprung mit ihren Downhill-Rädern mit, der sich anbietet. Nur um Zentimeter verpassen die beiden dabei glück-licherweise die umherstehenden Baumstämme, die die Strecke einsäumen. Natürlich befahren die beiden auch die eingebaute Zusatzstrecke für Könner, die fast nur aus Sprüngen besteht. Eine intelligente Variante, die die Strecke für Anfänger und Könner attraktiv macht.

Alexander KappenAlexander KappenStuttgarter Downhill-Strecke

Die Strecke befindet sich übrigens in einer zwei-jährigen Probezeit. Die hat der Stuttgarter Gemeinderat angeordnet. Man will überprüfen, ob sich alle Biker an die Regeln halten, die auf einer Schautafel an dem Startpunkt, dem hölzernen Podest festgehalten sind. „Öffnungszeiten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang“ steht hier zum Beispiel, nachts wird das Startpodest mit einem Holzbalken verschlossen, „keinen Müll hinterlassen“, „Jugendliche unter 14 Jahren dürfen nur mit Begleitperson“ auf die Piste und man soll „auf Fußgänger und Tiere achten“.