Krippen und Kindergärten: 120.000 ErzieherInnen fehlen

von Portrait von Andreas Broede Andreas Broede
Veröffentlicht am 25. Juli 2014

Bei der Personalausstattung deutscher Kinderkrippen und -gärten gibt es erhebliche Mängel. Das konstatiert die Bertelsmann Stiftung in ihrem am Freitag veröffentlichten "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme". Bundesweit gebe es deutliche Unterschiede bei den deutschen Krippen und Kindergärten: "Die Personalschlüssel für Kitas in Deutschland weichen teilweise erheblich von einem kindgerechten und pädagogisch sinnvollen Betreuungsverhältnis ab und sind zudem von Bundesland zu Bundesland höchst unterschiedliche", so Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Krippen und Kindergärten: 120.000 ErzieherInnen fehlen

Die Stiftung selbst empfiehlt ein Verhältnis in der frühkindlichen Krippenbetreuung von einem/r ErzieherIn für drei Kinder und für über Dreijährige 1:7,5. Um diese Verhältnisse zu erreichen, wären 120.000 neue ErzieherInnen-Stellen notwendig. Nach Berechnungen der Stiftung hätte dies Mehrausgaben von fünf Milliarden Euro zur Folge. Dies bedeutet eine Steigerung der Ausgaben von derzeit 14 Milliarden um 36 Prozent. "Das ist eine gewaltige Kraftanstrengung, die sich aber lohnt, weil die Kita-Qualität entscheidend ist für gutes Aufwachsen und faire Bildungschancen aller Kinder", findet Stiftungsvorstand Dräger.

Den Erkenntnissen der Stiftung zufolge zeichnet sich in der Kinderbetreuung ein auffälliges Ost-West-Gefälle ab. Bremen kommt der Forderung der Stiftung mit einem Betreuungsverhältnis der unter Dreijährigen von 1:3,2 recht nahe, dicht gefolgt von Baden-Württemberg (1:3,3). In Sachsen-Anhalt beträgt das Verhältnis dagegen 1:6,7.

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Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 1:6,3 im Osten und 1:3,8 im Westen. Weil aufgrund von administrativen Tätigkeiten wie Teamgesprächen und Fortbildungen nur 75 Prozent der Arbeitszeit für die eigentliche pädagogische Tätigkeit bleiben, liegt der tatsächliche Wert laut Stiftung jedoch höher: tatsächlich kommen auf ein(e) ErzieherIn im Westen fünf Kinder, im Osten sogar acht.

Ähnlich sieht die Situation bei den Kindern über drei Jahren aus: Auch hier liegen Bremen (1:7,7) und Baden-Württemberg (1:1,8) an der Spitze. Schlusslicht bei der Betreuung der über Dreijährigen ist Mecklenburg-Vorpommern mit einem Personalschlüssel von 1:14,9. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 1:9,1 im Westen und 1:12,7 im Osten.

Um diese Ungleichheiten auszugleichen und einheitlich hohe Standards in der Kinderbetreuung durchzusetzen, sieht Dräger nicht nur die einzelnen Bundesländer, sondern auch den Bund in der Pflicht. Nach der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz fordert er ein Bundes-Kita-Gesetz: "Politik und Praxis sollten sich auf bundesweite kindgerechte Standards einigen, damit alle Kita-Kinder in Deutschland gute Bildungschancen haben."

 

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