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Hochfrequenzhandel

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 16. August 2017

Viele Menschen denken bei dem Begriff “Börse” sofort an Szenen, wie man sie aus amerikanischen Filmen kennt. Männer mit Krawatten, die gebannt auf den Bildschirm schauen, mit einer Hand telefonieren und mit der anderen wild mit Papieren umherwedeln und Dinge wie “Buy, buy, sell, sell” rufen.

Doch die Zeiten, in denen es an der Börse auf diese Art laut und hektisch zuging, sind ein Relikt aus der Vergangenheit. Immer bessere Computer und dadurch eine sich immer weiter ausbreitende Automatisierung bestimmen den Börsenmarkt von heute. Die meisten Privatpersonen und Unternehmen kaufen Aktien online. Auf diese Weise ist mittlerweile fast jeder dazu in der Lage in Aktien, Rohstoffe, etc. zu investieren.

Einige Anleger spezialisieren sich sogar darauf, Assets nur für den Bruchteil einer Sekunde zu besitzen, um einen Profit zu machen. In diesem Fall spricht man vom Hochfrequenzhandel. Welches Prinzip dahinter steckt, erklären wir Ihnen hier.

Der Hochfrequenzhandel, auch HFT abgekürzt, ist noch ein sehr neues System, da man eine sehr schnelle Internetverbindung benötigt, um damit erfolgreich sein zu können. Der New York Stock Exchange und Nasdaq ebneten der Handelsform mit einigen Neuregulierungen im Jahre 2005 den Weg. 2009 schafften es einige Unternehmen in die Medien, nachdem diese mit HFT große Gewinne verbuchen konnten. Das Interesse der Menschen war geweckt.

Beim klassischen Trading entscheiden Menschen, wann gekauft und wann verkauft werden soll. Beim HFT trifft ein Hochleistungscomputer mit zuvor programmierten Algorithmen die Handelsentscheidungen. Die großen Handelsplätze erhofften sich dadurch einen besseren Wettbewerb und dadurch auch bessere Kurse. Anlegern sollte dadurch ein fairer Handel geboten werden.

HFT kann durchaus viele Vorteile haben, da Wertpapierorders so an mehreren Börsen gleichzeitig in der gewünschten Zahl ge- oder verkauft werden können. Sinn und Zweck von HFT ist es, die Latenzzeiten zu minimieren. Börsengeschäfte können so innerhalb von Millisekunden abgewickelt werden.

Viele HFT-Händler siedeln sich deshalb gerne in der Nähe der großen Börsen an. Nicht etwas um dort persönlich zu handeln, sondern um die Zeitspannen zu verkürzen, in der Marktinformationen an das System gesendet werden - es handelt sich dabei um Nanosekunden.

HFT-Trader wissen, über welche Glasfaserkabel die klassischen Handelsgeschäfte laufen, und wie lange diese für das Versenden von Information brauchen. Für die eigenen Computer, die an Dutzenden von Börsen versteckt sind, ist es kein Problem das Signal zu überholen und sich so einen milliardenschweren Vorteil zu verschaffen.

Doch es funktioniert eben nicht immer. 2012 kostete ein Softwarefehler ein Unternehmen innerhalb von nur 45 Minuten $440 Millionen. Die US-amerikanische Börsenaufsicht kündigte daraufhin verschärfte Überwachungen an. In Deutschland gilt seit dem 28. Februar 2013 ein “Gesetz zur Vermeidung von Gefahren und Missbräuchen im Hochfrequenzhandel”. Dadurch soll der Einfluss, den HFT auf den Finanzmarkt hat, eingedämmt werden.

Der Hochfrequenzhandel hat das Trading an der Börse revolutioniert. Eine pauschale Verurteilung ist jedoch nicht sinnvoll. Es gibt auch passiv agierende HFT-Teilnehmer, die Liquidität bereitstellen. Doch wie wird es weitergehen? Hat das Trading, wie wir es kennen, überhaupt noch eine Zukunft, oder wird der Handel zur automatisierten Angelegenheit? Eine Steigerung der Leistung ist auf jeden Fall wahrscheinlich - nicht nur von Computern aber auch von den Menschen.