Eine Ode an die Pizza

von Portrait von Thilo Nemitz Thilo Nemitz
Veröffentlicht am 22. April 2014

Du, meine geliebte Pizza! Du köstlicher Hefeteig-Frisbee mit Tomatensoße und geschmolzenem Käse! Kaum ein anderes Fastfood habe ich in größerer Stückzahl vertilgt. Du bist mein absoluter Favorit der Hüftgold-begünstigenden Speisen.

Eigentlich kann es nur als Selbstfolter bezeichnet werden, dass ich nun diesen Artikel schreibe, denn ich habe mich eigentlich schon seit geraumer Zeit auf Diät gesetzt. Da ich in den kommenden Sommermonaten ausnahmsweise mal eine gute Figur machen möchte, gehe ich regelmäßig ins Fitnessstudio bzw. „die Halle der Schmerzen“, wie ich sie nenne und alle Dickmacher wie Fastfood, Süßigkeiten oder Alkohol sind größtenteils und bis auf wenige Ausnahmen gänzlich vom Einkaufszettel verbannt worden.

Warum also darüber schreiben und den Speichelfluss unnötig fördern? Genauso gut könnte jemand fragen, warum Dichter über unerfüllte Liebe schreiben und sich damit doch scheinbar nur selbst quälen. Manchmal sind mit einem Gegenstand oder einer Person so viele Emotionen und Erinnerungen verbunden, dass man ins Schwärmen gerät und einfach die Worte fließen lässt.

Pizza ist eben weit mehr als Nahrung, sie ist soziales Bindeglied in vielen Bereichen des Lebens. Wenn ich mich beispielsweise an den Höhepunkt meines Pen & Paper-Hobbys zurück erinnere, kann ich mit Sicherheit sagen: Kein Rollenspiel, ohne dass kurz vor dem Endgegner im Drachenschloss der Pizzabote klingelt. Die Pizza ist in meinem Leben untrennbar mit solchen sozialen Happenings verbunden. Egal ob Brettspiel-Abend, Film-Wochenende oder Rollenspiel-Runde: Die Pizza ist unverzichtbar, weil sie perfekt dazu passt. Jeder kann sie belegen wie er möchte, z.B. hier bestellt, wird sie bequem nach Hause geliefert und man kann sie super teilen und auch bei anderen ein Stück probieren. Sie lässt sich direkt aus dem Karton und auf dem Schoss essen und kann zur Not auch zur Seite gelegt und später kalt gegessen werden. Was wären all die Nächte vor dem Computer, gefangen in digitalen Spielwelten, ohne meinen schützenden Wall von alten Pizzakartons gewesen? Es geht auch nichts über das Glücksgefühl nach einer Party morgens verkatert in die Küche zu kommen und noch ein kaltes aber wunderbar fettiges Stück Pizza vorzufinden.

Aber wie bereits erwähnt, für mich gibt es derzeit nur Obst, Gemüse und Mineralwasser als langweilige Beilagen zu Filmen oder Spielen. Ganz schön ätzend. Aber habe ich - philosophisch betrachtet - überhaupt jemals mit dem Pizza-Essen aufgehört? Ist nicht eine Scheibe Brot mit Belag auch in gewisser Weise eine Pizza? Besonders, weil ich es liebe, Brot zu toasten und eine Scheibe Käse darauf schmelzen zu lassen. Das macht nachdenklich. Vermutlich hat deshalb ein Toast mit Käse und Ketchup auch den Spitznamen „Studenten-Pizza“ bekommen. Apropos Studenten: Wie viele von ihnen haben sich in ihrer Uni-Zeit die Party-Kasse mit dem Ausliefern von Pizza aufgebessert? Ist ja auch ein ehrenvoller Beruf. Selbst Spiderman hat schon als Pizza-Bote gearbeitet.

Die Pizza ist einfach ein Stück Kultur! Das dem Flammkuchen und anderen „Flachbroten“ verwandte italienische Nationalgericht wird schon seit Urzeiten in Backöfen hergestellt. Meiner Meinung nach das Beste, was jemals aus Italien zu uns rüber geschwappt ist. Egal, ob rund, eckig auf einem Blech oder geschlossen als sogenannte „Calzone“ – ich liebe diese Kalorienbombe. Nur leider ist es für mich gerade besser über sie zu schreiben, als sie zu essen. Aber wenn ich durchhalte und im Sommer einen gottgefälligen Körper vorweisen kann, werde ich mich mit einer Reise nach Rom und einem Stück Pizza vor Ort belohnen. Ich weiß, eine seltsame, aber für mich effektive Methode zur Selbst-Motivation.

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