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Ein neues Gesetz für Wettbetrug- werden Sportwetten nun endlich salonfähig?

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 14. Mai 2018

Im Netz locken zahlreiche Internet Buchmacher mit ihren Angeboten. Ob Einzelwette, Kombiwette, Systemwette oder die Anzahl der gelben Karten im Spiel. Es gibt fast nichts, worauf man nicht wetten kann. Besonders Fußball, Deutschlands Sportart Nummer eins, erfreut sich bei den Online Bookies ungebremster Beliebtheit.

Ein neues Gesetz gegen Wettmanipulation

Doch es gibt auch eine dunkle Seite: Wettbetrug und Spielmanipulation. Die Frage ist, wo fängt Wettbetrug an und welche Strafen drohen. In der Vergangenen Legislaturperiode schickte der ehemalige Justizminister Heiko Maas ein Gesetz auf den Weg, welches Wettbetrug mit hohen Strafen belegte. Der Bundesrat stimmte zu, so dass das Gesetz in Kraft treten konnte und es nun den Straftatenbestand des Sportwettenbetrugs gibt. Bisher gab es hier tatsächlich eine Gesetzeslücke. Diese gibt es im Übrigen im Allgemeinen bezogen auf Online-Wetten. Denn Stand heute fehlt es hier in Deutschland an einer gesetzlichen Grundlage. Doch europäische Prüfsiegel sichern den Online Buchmachern ihr Dasein. Außerdem gibt es eine Wettsteuer, so dass auch der Staat an den Bookies verdient. Mehr Infos hierzu unter https://www.sportwettenanbieter.com/wettsteuer-deutschland/.

Besserer Ruf und bessere Gewinnchancen für ehrliche Spieler?

Das Gesetz ist gut für den Fan einer ehrlichen Sportwette, denn wer musste sich nicht schon vor Freunden rechtfertigten, die Onlinewetten einen „zwielichtigen Ruf“ bescheinigten. Sicherlich werden Sportwetten ein Stück weiter salonfähig, wenn man sie vor Manipulation schützt und auf der anderen Seite hat man selbst bei einer Wette natürlich die Chance auf einen höheren Gewinn, wenn die Regierung Betrügern das Leben schwerer macht.

Das Gesetz wurde unter anderem auf den Weg bebracht, um zu verhindern, dass Wetten zum Zwecke der Geldwäsche abgesetzt werden. So gibt es tatsächlich Fälle, bei denen versucht wurde, ungesetzlich erworbenes Geld durch Wettgewinne zu legalisieren und damit auch Steuerzahlungen zu umgehen, denn Wettgewinne müssen nicht versteuert werden. Durch das Absetzen von kleineren Wetten mit sicheren Quoten floss hier der ein oder andere Euro an einen Spieler „gewaschen“ zurück. Wettbetrug hatte hier in der Vergangenheit teilweise mafiöse Strukturen, denn das Geld wurde nicht nur gewaschen, sondern die Wetten wurden auch manipuliert.

Außerdem zielt das natürlich generell darauf ab zu verhindern, dass Betrüger mit Online Wetten das ganz große Geld machen.

Bisher war es dem Gesetzgeber nur möglich reine Sportmanipulationen zu unterbinden. Etwa wenn eine Fußballmannschaft den Gegner mit Geld besticht, um zum Beispiel den Klassenerhalt zu sichern. Eines der bekannteren Beispiele ist der Fall des ehemaligen Fußballprofis René Schnitzler, der zwar wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde, Wettbetrug konnte man ihm aber nicht nachweisen, da zu dem Zeitpunkt die gesetzliche Grundlage fehlte. Auch Schiedsrichter waren in der Vergangenheit nicht frei vom Manipulationsvorwurf. So erinnert sich wohl jeder Fußballfan noch an den ehemaligen Schiri Robert Hoyzer, der zusammen mit anderen Schiedsrichtern für einen Skandal sorgte, da er zahlreiche Partien im deutschen Fußball manipulierte. Hier kam es allerdings schon damals zu einer Verurteilung wegen Sportmanipulation.

Es drohen Gefängnisstrafen bei Wettbetrug

Zusammen mit dem neuen Gesetz wurden auch die Strafen für Betrug und Manipulation bei Wetten erhöht. So drohen Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro und Sogar Strafen von drei bis sogar fünf Jahren Haft, wenn eine besondere Schwere der Schuld nachgewiesen werden kann. Besonders hohe Strafen soll es in Zukunft geben, wenn eine Gruppe von Personen Betrug und Manipulation im großen Stil verübt. Außerdem haben Vereine ab sofort die Möglichkeit einer Schadensersatzklage, wenn Spielmanipulationen für sie negative Folgen hatten.

Bessere Möglichkeiten der Überwachung für Ermittler

Wie bei anderen Strafmaßnahmen auch, sollen diese Strafen Betrüger vor allem abschrecken. Weiterhin gibt es neue Möglichkeiten für die Behörden Betrug und Manipulation überhaupt erst aufzudecken. Dazu gehört die Überwachung von Telefonen und Servern, so dass die Aktivitäten der potenziellen Betrüger besser und schneller aufgedeckt werden können. Allerdings bleibt es dabei, dass erst ein Anfangsverdacht bestehen muss, damit die Staatsanwaltschaft aktiv werden kann. Es ist also möglich, dass die neuen Möglichkeiten den Ermittlern lediglich dabei helfen das genaue Ausmaß einer Manipulation oder eines Betrugs aufzudecken. Ob sich auch die allgemeine Aufdeckungsquote erhöhen wird, bleibt abzuwarten.

Kritik am neuen Gesetz

Die deutsche Justiz selbst sieht das neue Gesetz auch eher kritisch, denn man befürchtet für die Gerichte eine Mehrbelastung. Im Grunde ist dies allerdings eine Bestätigung darin, dass das Gesetz dringend nötig ist. Denn den Gerichten ist offensichtlich bewusst, dass es Manipulation gibt, bislang wird sie aber nicht weiter strafrechtlich verfolgt.

Blickt man sich in Europa um, stellt man auch schnell fest, dass es in anderen Ländern bereits deutlich härtere Gesetze und Strafen gibt. So muss man bei Wettbetrug in Italien mit einer maximalen Gefängnisstrafe von 9 Jahren rechnen. Viele sehen die Strafen in Deutschland daher noch als zu gering an, zumal davon auszugehen sind, dass viele Strafen auf Bewährung ausgesetzt werden.

Buchmacher wehren sich gegen Betrüger

Auch die Buchmacher sind nicht untätig und versuchen gegen Wettbetrug vorzugehen. So nehmen viele Bookies die Dienste der Firma Sportradar in Anspruch. Diese beobachtet Wetten, also Geldeinsätze und Quoten, auf der ganzen Welt. Kommt es zu Auffälligkeiten werden die Buchmacher informiert und haben die Möglichkeit Wetten zu stoppen. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn plötzlich besonders hohe Beträge auf eine Wette gesetzt werden.

In Deutschland bleibt es also abzuwarten, ob in Zukunft mehr Manipulation und Betrug aufgedeckt werden und ob wie hoch das Strafmaß sein wird. Die nächsten Jahre werden daher zeigen, inwieweit und wie oft das neue Gesetz angewandt wird. Vielleicht schafft es das Gesetz ja auch Online Wetten aus der rechtlichen Grauzone herauszuholen und salonfähig zu machen.