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Droht Kölns Spielotheken bald das aus?

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 29. Mai 2017

Im Stadtbild der meisten Viertel von Köln sind die kleinen Spielhallen so sehr Normalität wie der Bäcker, der Friseur oder die Buchhandlung. Immerhin nimmt jeder dritte Deutsche laut einer Studie mindestens einmal im Jahr an irgendeiner Form von Glücksspiel teil. Nach einer langen Übergangszeit werden nun aber Änderungen im Glücksspielvertrag in Kraft treten, die vor allem die Spielhallen in Deutschland treffen. Die Änderungen, die bereits 2011 beschlossen worden sind, könnten einen großen Teil der Spielhallen aus Köln und dem ganzen Bundesgebiet verbannen.

Änderungen im Glücksspielstaatsvertrag sorgen für Unsicherheit

Als die Minister 2011 die Änderungen am Glücksspielstaatsvertrag beschlossen haben, hatten sie vor allem die Prävention gegen Glücksspielsucht im Sinn gehabt. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Branche zumindest in ihrer Ausbreitung nicht reguliert, was dazu geführt hat, dass in vielen Städten eine große Zahl der Spielhallen, Spielbanken und andere Geschäfte dieser Art zu finden waren. Nun sieht der neue Staatsvertrag klare Richtlinien vor, die dafür sorgen könnten, dass ein großer Teil der Läden in den Innenstädten schließen muss. Es wird zukünftig nicht mehr erlaubt sein, dass zwei Spielhallen am gleichen Standort zu finden sind. Die Bedingungen für die Öffnungszeiten werden geändert, was vor allem den Daueraufenthalt vieler Spieler in den Läden aufhalten soll. Darüber hinaus gibt es Änderungen in der Werbung und im allgemeinen Betrieb der Spielhallen.

Besonders der erste Punkt könnte für die Betreiber solcher Geschäfte zu einem Problem werden. Bisher war es durchaus normal, dass sich in bestimmten Stadtvierteln gleich mehrere dieser Läden in einer Straße oder gar im gleichen Komplex befanden. Dies wird mit den Änderungen nicht mehr möglich sein.

Unsicherheit beim Gesetz und Unterschiede innerhalb der Länder

Während die Länder derzeit planen, die Richtlinien für Glücksspiel allgemein zu überdenken, könnte es in den nächsten Monaten zu einer zunehmenden Unsicherheit bei den Betreibern kommen. Grund dafür sind die mitunter sehr schwammigen Formulierungen im neuen Gesetz, besonders was den Faktor mit dem Standort angeht. Jedes Land ist berechtigt, die Veränderungen auf eine eigene Weise zu regulieren und umzusetzen. Das führt dazu, dass bei zwei gleichen Geschäften an einem Standort in Bayern zum Beispiel die Themen Sicherheit und Verantwortung darüber entscheiden würden, welcher der beiden Läden schließen müssen. In Bundesländern wie Niedersachsen oder Berlin hingegen, soll am Ende das Los darüber entscheiden, welcher Betreiber seinen Laden behalten darf. Es ist bereits jetzt unter Experten sicher, dass dies in den kommenden Jahren zu vielen Klagen gegen die entsprechenden Ämter und den Gesetzgeber führen wird. Sprecher der Branche befürchten zudem, dass insgesamt beinahe 50.000 Arbeitsplätze und  50% der Spielhallen in Deutschland verschwinden könnten.

Spieler erfreuen sich immer häufiger am Spiel im Internet

Dabei sind die Veränderungen im Staatsvertrag nicht die einzige Bedrohung für die klassischen Spielbanken. In den letzten Monaten und Jahren war zu bemerken, dass die Spieler immer häufiger die Angebote aus dem Internet für sich entdeckt haben. Mit der großen Auswahl an Betreibern und Spielen und der Flexibilität für die Spieler sind die Online-Casinos momentan im Aufwind. Die Branche gewinnt an Einfluss und bietet immer neue Entwicklungen für die Spieler an, die den Weg zu ihren Auftritten im Internet finden. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, ehe sich die Branche der Spielbanken ohnehin neu erfinden muss, wenn sie gegen die starke Konkurrenz aus dem Internet bestehen wird. Wie viel Einfluss das neue Gesetz bei diesem Wandel haben wird, ist derzeit noch nicht mit Sicherheit abzusehen.