- (c) https://pixabay.com/de/pflegebedürftige-demenz-frau-alt-100342/ © https://pixabay.com/de/pflegebedürftige-demenz-frau-alt-100342/

Die Pflegereform und ihre Auswirkungen

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 19. Januar 2018

Die Pflegebedürftigkeit von Angehörigen ist ein unangenehmes Thema, mit dem man sich meist erst dann beschäftigt, wenn es akut ist. Dabei ist eine Person nicht erst dann pflegebedürftig, wenn sie das Bett nicht mehr verlassen kann. Wir haben wichtige Informationen zur Pflegereform gesammelt.

Wer pflegebedürftig ist, erhält finanzielle Unterstützung, besondere Leistungen und Vergünstigungen. Wie viel und was das genau ist, hängt vom Pflegegrad ab, der dem Betroffenen zugewiesen wird. Am 1.1.2017 ist eine grundlegende Änderung in Kraft getreten, deren Einzelheiten im sogenannten Pflegestärkungsgesetz II beschrieben wird. Wir werfen einen Blick auf die Änderungen.

https://pixabay.com/de/pflegebedürftige-demenz-frau-alt-100342/https://pixabay.com/de/pflegebedürftige-demenz-frau-alt-100342/

Was hat sich beim Thema Pflege geändert?

Für Angehörige ist es wichtig, sich über die Pflegereform zu informieren, denn die Leistungen bekommt man nicht automatisch, sie müssen an der richtigen Stelle beantragt werden. Da die meisten Pflegebedürftigen zu Hause gepflegt werden, werden die pflegenden Personen gezwungenermaßen zu Spezialisten bei diesen Themen. Nicht immer werden der Medizinische Dienst oder die Krankenkassen dabei als hilfreich empfunden.

Die Pflegereform bringt einige Änderungen mit sich, die seit dem 1.1.2017 verwirklicht werden. Unter anderem sind die bisher drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt worden, durch die jetzt endlich auch Personen mit Demenz als pflegebedürftig eingestuft werden können. Eine der wichtigsten Änderungen ist außerdem, dass die Pflegebedürftigkeit nicht mehr nach dem zeitlichen Aufwand berechnet wird, den die Pflege des Menschen in Anspruch nimmt, sondern nach der Selbstständigkeit, mit der die zu pflegende Person ihr Leben verbringen kann. Je weniger Dinge ein Mensch allein tun kann, umso höher ist der Pflegegrad, in den sie eingestuft wird. Dabei ist auch wichtig, dass die häusliche Pflege der stationären vorgezogen werden soll. Angehörige und Nachbarn sollen sich die um bedürftigen Personen kümmern, damit jeder so lange wie möglich in seinem häuslichen Umfeld bleiben kann. Das ist auch nötig, wenn man bedenkt, dass die Zahl der pflegebedürftigen Personen voraussichtlich immer weiter ansteigen wird, und die externen Einrichtungen damit

https://pixabay.com/de/rollstuhl-urlaub-bea-behinderte-999622/https://pixabay.com/de/rollstuhl-urlaub-bea-behinderte-999622/

logistisch überfordert wären.

Wer ist der richtige Ansprechpartner rund um Pflege?

Wer sich bisher noch nie um die Themen Pflege und Pflegegrad kümmern musste, fragt sich natürlich, wer der passende Ansprechpartner für diese Themen ist. Man muss sich bei diesen Fragen an die Pflegekasse wenden, die an die jeweilige Krankenhausse angeschlossen ist. Das bedeutet, wer bei der Barmer krankenversichert ist, bekommt seine Leistungen im Pflegefall von der Pflegekasse der Barmer, analog ist es bei allen anderen Krankenkassen.

Wie bekommt man einen Pflegegrad?

Um einen Pflegegrad zu bekommen, muss zunächst einmal die Pflegebedürftigkeit überprüft werden. Das wird durch einen Gutachter des Medizinischen Dienstes (MDK) vorgenommen. Dieser führt eine Begutachtung durch, die meist im häuslichen Umfeld vorgenommen wird.

Auch wenn viele ältere Menschen Pflege brauchen, so sind sie nicht die einzigen Personen, auf die das zutrifft. Auch Kinder und Jugendliche nach einem Unfall, behinderte Menschen oder Personen, die durch eine Krankheit geschädigt werden, können der Pflege bedürfen und damit Unterstützung von ihrer zuständigen Pflegekasse erhalten. Das ist zum Beispiel bei den folgenden Krankheiten der Fall:

– Krebs

– Dialyse

– ALS

– Epilepsie

– MS

– geistige Behinderung

– nach einem Unfall

– bei Depressionen

– bei Demenz

Wer sich um Personen mit diesen oder ähnlichen Krankheiten kümmert, sollte also in jedem Fall die Pflegekasse kontaktieren, um einen eventuellen Pflegegrad feststellen zu können.

Neu ab 2017 ist, dass auch psychisch kranke und demente Personen als der Pflege bedürftig eingestuft werden können, was bisher nicht der Fall war. Das hat Angehörige häufig in die Bredouille gebracht, denn eine Person mit Demenz ist zwar körperlich fit, braucht aber dennoch den ganzen Tag eine Betreuung. Die Kosten dieser Betreuung werden jetzt zumindest teilweise aufgefangen.

Wo und wie stellt man einen solchen Antrag?

Der Antrag auf Pflegeleistungen muss bei der Krankenkasse eingereicht werden, was theoretisch auch telefonisch geschehen kann – es ist jedoch ratsam, einen schriftlichen Antrag zu stellen. Nach der Bearbeitung des Antrages wird ein Termin für die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst vereinbart, der (in der Regel) einen Hausbesuch abstattet. Dieser Gutachter erstellt aufgrund seiner persönlichen Einschätzung ein Gutachten, die Krankenkasse entscheidet dann unter Berücksichtigung der Krankengeschichte über den Pflegegrad.

Ein Pflegegrad kann übrigens nicht rückwirkend beantragt werden, da es für die Krankenkasse absolut nicht nachvollziehbar ist, wann die Pflegebedürftigkeit genau eingetreten ist. Allerdings werden die Leistungen rückwirkend ab dem Zeitpunkt der Antragstellung gezahlt.

Und was ist mit den Pflegenden?

Es sind nicht immer junge, fitte Menschen, die andere pflegen. Gerade im häuslichen Umfeld, wenn sich Lebenspartner gegenseitig helfen, kann auch der Pflegende hilfebedürftiger sein, als ihm eigentlich bewusst ist. Immerhin steht der pflegebedürftige Partner im Vordergrund. Es sollte jedoch überprüft werden, ob für den Pflegenden selbst auch eine Pflegestufe in Frage kommt.

Auch die Leistungen für Verbesserungen des Wohnumfeldes werden anders ausfallen, wenn beide Partner einen Pflegegrad haben. Diese Leistungen werden nämlich nicht nach Haushalt, sondern pro Person berechnet.

Die mögliche Einstufung in einen Pflegegrad sollte in jedem Fall überprüft und in Anspruch genommen werden.

Fazit: Das Thema Pflege wird die Gesellschaft in zunehmendem Maße beschäftigen. Die Pflegereform räumt mit einigen Missständen auf, es kommt jedoch immer noch auf die Eigeninitiative der Angehörigen an, inwieweit die Krankenkasse angemessen reagiert.

Copyright:

https://pixabay.com/de/pflegebedürftige-demenz-frau-alt-100342/

https://pixabay.com/de/rollstuhl-urlaub-bea-behinderte-999622/

 

 

 

 

 

 

    Verwandte Artikel