Grüne fordern Veggie-Day: Ist es richtig, dass die Politik sich in unsere Essgewohnheiten einmischt?

von Portrait von Desiree Borsky Desiree Borsky
Veröffentlicht am 5. August 2013

Hurra, ein Veggie-Day! Die Grünen fordern einen fleischlosen Tag pro Woche in allen öffentlichen deutschen Kantinen. Darüber freuen sich Vegetarier und Veganer. Aber auch Nicht-Vegetarier und unser geliebter Planet Erde profitieren davon. Grün ist gut für den Körper und gut für die Umwelt. Ein bisschen weniger Fleisch schadet keinem Industrieland-Bewohner. Viele fragen sich aber: ist es richtig, dass die Politik sich in unsere Essgewohnheiten einmischt?

Grünen Fraktionschefin Renate Künast äußerte sich dazu gegenüber der Bild:

"Ein Veggie Day ist ein wunderbarer Tag zum Ausprobieren, wie wir uns mal ohne Fleisch und Wurst ernähren. Vegetarisch kochen ist nämlich mehr, als nur das Fleisch weg lassen"

Beim Entschluss, ohne Fleisch zu Leben, spielen meist zwei Faktoren eine entscheidende Rolle. Erstens, die moralische Frage, ob Menschen - die 'intelligenten Tiere' - andere Lebewesen töten dürfen um sie zu essen. Zweitens, die ökologische Frage, da Massentierhaltung und -produktion unsere Gesundheit und die des Planeten gefährdet.

Betrachtet man nur die Seite der Fleischindustrie wird bei guter Recherche schnell deutlich wie schädlich der intensive Fleischgenuss der Bevölkerung eigentlich ist. Erst kürzlich brachte die Heinrich Böll Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Le Monde diplomatique die Studie "Fleischatlas" heraus, die über Themen wie Tiermedikamente, Artenvielfalt, Futtermittel, Haltung und viele andere detailliert berichtet.

Fest steht, dass der massive Fleischkonsum der Industrieländer dafür sorgt, dass Regenwälder abgeholzt, Trinkwasser verschmutzt und verbraucht, Ernteland nicht für die Ernährung von hungernden Menschen, sondern für Tierfutter genutzt und die Artenvielfalt durch einseitige Massenproduktion drastisch gefährdet wird. Hierbei handelt es sich nur um den Anriss vielfältiger Effekte, die der ausufernde Fleischverbrauch auf die Welt hat. Ganz zu schweigen von den Geldern, die Staaten für die Fleischproduktion in Formen von Sanktionen ausgeben. Laut "Fleischatlas" fördert die EU unter anderem:

"Investitionen in Ställe mit bis zu 50 Prozent, ein mächtiger Anreiz, mehr Schweine, Geflügel und Rinder zu produzieren."

Die Politik mischt sich also sowieso schon in unsere Essgewohnheiten ein, nur merken wir das meist nicht. Wenn der Staat uns andere Dinge, wie zum Beispiel Drogen oder zu schnelles Autofahren verbieten kann, weil es zu gefährlich ist oder andere in Gefahr bringt, wieso soll er dann nicht den Fleischverbrauch verringern können? Es geht hier um weit mehr als Essgewohnheiten. Es geht um den Erhalt unserer Erde.

Ein fleischloser Tag pro Woche in allen öffentlichen Kantinen stellt einen guten Anfang zur Rettung des Planeten und Verbesserung der weltweiten Ernährungssituation dar. Man kann sogar sagen, dass es sich eher um einen Tropfen auf den heißen Stein handelt. Wir werden sehen, ob sich nach der Wahl überhaupt etwas ändert.

Wer mehr über die moralische Seite der 'Fleisch-oder-Nicht'-Frage wissen möchte, kann sich die ZDF-Sendung "Dürfen wir Tiere essen?" von Richard David Precht mit seinem Gast, Philosophen Robert Spaemann, anschauen und nachdenken.

Grüne fordern Veggie-Day: Ist es richtig, dass die Politik sich in unsere Essgewohnheiten einmischt?