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Computerspiele: Stirbt der klassische Datenträger aus?

von Portrait von Christine Pittermann Christine Pittermann
Veröffentlicht am 17. Mai 2016

Seit den 1970er-Jahren hat sich in Sachen Computerspiele so einiges getan: Anfangs standen sie als Quellcode in Fachmagazinen – ältere Fans erinnern sich vielleicht noch an das nächtelange Abtippen. Wem ein kleiner Fehler unterlief, konnte den ganzen Code noch einmal von vorn durchgehen. Ab den späten 70er- bzw. frühen 80er-Jahren wurden die Spiele bequem auf Datenträgern in künstlerisch gestalteten Verpackungen verkauft. Heute wird auch diese Vertriebsform seltener: Download- und Browsergames boomen – ein Rück- und Ausblick auf die Vermarktung eines inzwischen nicht mehr ganz so jungen Mediums.

Phantasievolle Cover – immer größere Datenträger

In der Frühzeit der Computerspieldatenträger wurde die fantasievolle Gestaltung der Verpackung immer wichtiger. Die Gamer mussten schließlich von den Regalen aus angesprochen und zum Kauf animiert werden. Dass in der Zeit von 1979 bis 1983 gar nicht so klar war, ob diese Regale eher im Spielzeugladen oder der Buchhandlung stehen sollten, beschreibt die Informatikerin Liza Daly. Eine in der damaligen Zeit berechtigte Frage: Ist das neue Medium eher mit erzählender Literatur oder klassischen Brettspielen verwandt? Spiegel Online erkennt in dem aufwändigen  Design früherer Game-Schachteln beispielsweise eher Umschläge von "Groschenromanen", was prinzipiell für die Buchhandlung gesprochen hätte.

Schließlich hielten die Verpackungen in die Elektromärkte Einzug, wo sie noch heute stehen: Zunächst waren in ihnen Disketten enthalten, die später von Modulen, CDs, DVDs und seit der Playstation 3 letztlich von Blu-ray-Discs abgelöst wurden. Die Datenmengen für die immer aufwändigeren Spiele sind über die Jahre natürlich größer und größer geworden, sodass etwa jede der ersten drei Playstation-Generationen ein neues Datenträgermedium etablieren musste, um genügend Speicherplatz zu gewährleisten. Heute schließt sich gewissermaßen der Kreis: In den Plastikschachteln befinden sich zum Teil wieder Codes.

Plastikhüllen mit Download-Code oder lieber gleich im Browser zocken?

Ein aktueller Trend in der Gaming-Szene sind sogenannte Free2Play-Games, zumeist Onlinespiele die direkt im Browser gespielt oder kostenlos auf nahezu alle erdenklichen Endgeräte heruntergeladen werden können. Portale wie browsergames.de informieren über die Spiele und stellen sie zugleich einem immer größer werdenden Publikum bereit. Auf Konsolen, in den App-Shops für Smartphone und Tablet oder bei Steam läuft der Vertrieb inzwischen über solche digitalen Kanäle. In den Regalen der Elektromärkte finden sich dafür neue hybride Formen: Andreas Lange, Jurymitglied des Deutschen Computerspielpreises und Direktor des Computerspielmuseums in Berlin, verriet in einem aktuellen Interview, dass es DVD-Boxen noch gibt: Sie beinhalten aber  zunehmend "nur noch einen Download-Code". Lange glaubt an den baldigen "Abschied" des klassischen Datenträgers.

Kein Wunder: Viele Laptops – Smartphones und Tablets sowieso – kommen inzwischen ohne optisches Laufwerk aus. Downloads oder das Spielen im Browser ist da die schnellste und bequemste Möglichkeit, sofort und überall los zu zocken. Darin unterscheiden sich die neuen Codes dann doch maßgeblich vom Abtippen der Quellcodes in den späten 70ern.

 

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