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Threema - Lass dir nicht in die Karten schauen!

von Portrait von Hannah Zollhöfer Hannah Zollhöfer
Veröffentlicht am 2. März 2015

Threema, das ist die Alternative zum gängigen Instant Messenger WhatsApp, der wegen massiver Kritik am Datenschutz auch schon zahlreiche Negativ-Schlagzeilen gemacht hat. Mit seinem Slogan „Seriously Secure Messaging“ verspricht Threema  seit 2012 verschlüsselten Datenaustausch. Mit der App setzen die Entwickler auch ein Zeichen im Wirrwarr der aktuellen Datenschutzdebatte. Und mal ehrlich, wem ist der Gedanke,  dass alle unsere Chatverläufe, Kontakte und gesendeten Bilder womöglich auf amerikanischen Servern gespeichert sind nicht unheimlich?

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2012 gründen drei  junge schweizer Software Entwickler ein Start Up Unternehmen und bringen im Dezember 2012 den Instant Messenger Threema auf den Markt. Mit dieser neuen App treffen sie genau den Nerv der Zeit, da zahllose Datenschützer die massiven Sicherheitslücken anderer Instant Messaging Apps, wie vor allem WhatsApp publik gemacht haben. Besonders der von Edward Snowden enthüllte Datenschutzskandal, einhergehend mit der Abhöraffäre der Bundeskanzlerin und schließlich der Übernahme von Whatsapp durch Facebook, rücken das Thema Datensicherheit in den Fokus der Aufmerksamkeit. Viele sind empört, aber dennoch sind Millionen von Nutzern weiterhin dazu bereit, Großteile ihrer privaten Kommunikation über WhatsApp abzuwickeln, ohne zu wissen was wirklich mit den Daten passiert. Aber ist der Trend zu einem bewussteren Umgang mit persönlichen Daten wirklich auf dem Vormarsch? Wir haben bei Threema nachgefragt:

Threema erklärt uns, dass das Bedürfnis nach Privatsphäre und das Bewusstsein für den Schutz unserer Daten deutlich steigt und dementsprechend auch die Nutzerzahlen. Letzten Endes entscheide aber jeder für sich selbst, welchen Kommunikationskanal er wählt. Unter Instant Messenger Nutzern herrscht jedoch oft das Argument „ Es macht nichts, wenn jemand Einsicht in meine Daten hat, da ich nichts zu verbergen habe“. Threema erklärt uns, warum diese Denkweise zu kurz gegriffen ist: Es gehe nicht darum, wer etwas zu verbergen hat, sondern um die Sicherheit, dass ein vermeintlich privates Gespräch auch tatsächlich privat bleibt. Bei Threema ist klar, „dass jeder ein natürliches Recht auf seine Privatsphäre hat und persönliche Daten nicht ohne Weiteres an Dritte gelangen sollten, ungeachtet für welche Zwecke. Es geht daher nicht nur darum, ob eine Nachricht sicher übertragen wird, sondern auch darum, wie ein Dienst mit den Kundendaten umgeht.“

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Auf die Frage, was Threema sicherer macht als andere Instant Messaging Apps erklärt uns Roman Flepp, dass bei Threema die sogenannte End-to-End Verschlüsselung für Datensicherheit sorgt. Das bedeutet, dass alle versendeten Daten auf dem Handy des Absenders verschlüsselt und erst beim Empfänger selbst wieder entschlüsselt werden. Eine zusätzliche Sicherung garantiert das Perfect Forward Secrecy System; es sorgt nochmal explizit dafür, dass auf dem Transportweg nichts abgehört werden kann, auch nicht von Threema selber. Verhindert wird außerdem, dass Informationen, wer mit wem kommuniziert, gespeichert werden oder einsehbar sind. Threema betont uns gegenüber besonders, dass auf den Servern keine Datenspeicherung erfolgt. Unmittelbar nach der Zustellung werden die verschlüsselten Nachtrichten vom Server gelöscht. Somit kann auch kein Datenverkauf und keine Datenauswertung erfolgen, da Informationen nur für die kleinste mögliche Zeitspanne auf dem Server sind. Außerdem ermöglicht Threema die anonyme Nutzung, es ist keine Registrierung per Email oder Handynummer notwendig. Im Gegensatz zu WhatsApp ist auch keine Synchronisation des Adressbuchs erforderlich.

Ein Blick in die AGB von WhatsApp offenbart uns eine ganz andere Herangehensweise an den Schutz unserer Daten. Bis 2012 erfolgte die Nachrichtenübertragung komplett unverschlüsselt. Dritte konnten mit einfachen Mitteln gesendete Daten abfangen und mitlesen. Nach den Warnungen von Datenschützern verschlüsselt WhatsApp seine Nachrichten auf dem Weg zwischen Server und Nutzer aber Experten vermuten, dass die Daten auf dem Server selbst unverschlüsselt und somit für den Konzern einsehbar gespeichert werden. Auf WhatsApp.com heißt es “We cannot, however, ensure or warrant the security of any information you transmit to WhatsApp and you do so at your own risk.” Wir tragen also selbst die Verantwortung, welche Daten wir mit WhatsApp teilen, da das Unternehmen keinerlei Datensicherheit garantiert.

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Den Unterschied zwischen Whatsapp und Threema macht auch das Urteil von Stiftung Warentest bezüglich des der Datensicherheit abermals deutlich. Whatsapp wird mit dem Urteil „sehr kritisch" bewertet, während Threema mit „unkritisch“ besser davon kommt.

<span 12px;"="">Obwohl die Datenmissbrauchsfälle Threema einen erheblichen Aufschwung beschert haben, kann die App, trotz nahezu gleicher Funktionen und Design nicht an den Erfolg von WhatsApp  anknüpfen. Hier ein Vergleich in Zahlen:

Threema zählt im August 2014 drei Millionen Nutzer, Tendenz steigend. 80% der Threema  Nutzer sind jedoch  aus dem deutschsprachigen Raum. Die Zahlen von WhatsApp befinden sich in einer ganz anderen Größenordnung. Im August 2014 veröffentlicht Gründer Jan Koum auf Twitter, dass WhatsApp zu diesem Zeitpunkt weltweit über 600 Millionen aktive Nutzer verzeichnet, davon etwa 30 Millionen in Deutschland, was mehr als einem Drittel der Bevölkerung entspricht. Im Januar 2015 meldet WhatsApp bereits 700 Millionen Nutzer. In vier Monaten also ein Anstieg von 100 000 Usern. Wirklich abgeschreckt haben uns die Datenschutz Skandale offensichtlich nicht.

Letztlich entscheidet eben jeder Nutzer selbst, leider meist unbewusst, mit welchem Unternehmen er seine Daten teilt.

In diesem Video veranschaulicht Threema eindrücklich und humorvoll seine Firmenphilosophie!

Threema - Lass dir nicht in die Karten schauen!