Belgischer Electro-Dance: Stromae "Racine carrée" - neues Album!

von Portrait von Desiree Borsky Desiree Borsky
Veröffentlicht am 15. August 2013

Die Hoffnung schwingt mit, solange es Musik gibt, die das Leben versüßt. Paul Van Haver ist Stromae, der belgische Dance-Elektro König, der 2009/ 2010 mit „Alors on danse“ die Clubs Europas eroberte. Sein Debütalbum „Cheese“ liegt nun drei Jahre zurück, endlich gibt es ab dem 16. August Nachschub mit „Racine carrée“ - deutsch: Quadratwurzel.

Wenn man kein Französisch versteht, kann man schnell den falschen Schluss ziehen, es handele sich bei Stromae's Beats ausschließlich um gute Laune Musik. Das ist so gar nicht der Fall, beachtet man die Lyrics. Schon „Alors on danse“, „deswegen tanzen wir“ oder „dann tanzen wir eben“, zeugt von nüchterner Resignation, die dennoch nicht dazu führt das Leben aufzugeben. In Stromae's Fall scheint Musik die wichtige Konstante zu sein.

„Papaoutai“ - Papa, wo bist du? ist Stromae's erste Single des neuen Albums „Racine carrée“. Stromae hat schon auf seinem Debut Album „Cheese“ familiäre Probleme angesprochen, wie „Dodo“ häusliche Gewalt thematisierte, dreht sich“Papaoutai“ um einen nicht anwesenden Vater. Die Mutter sagt, arbeiten sei gut, immer noch besser als schlechte Gesellschaft. Aber für die Kinder sind nicht anwesende Eltern ein großes Manko das bleibt.

"Tout le monde sait comment on fait des bébés, mais personne sait comment on fait des papas“ - Jeder weiß wie man Babys kriegt, aber keiner weiß wie Väter gemacht werden!

Das Video zu der Single ist farblich sehr heiter, aber durch die Maskenversion eines nicht vorhandenen Vaters wirkt es wie ein Horror-Szenario in einer vermeintlichen Familienidylle in den Suburbs. Die Tänzer verrenken sich unnatürlich. Alles wirkt wie ein Psycho-Trip, aus dem es keinen Ausweg gibt. Am Ende verwandelt sich der Junge in die Mini-Version seines gefühllosen, nicht anwesenden, Vaters. Oh, nein!  "Papaoutai" hat auf jeden Fall Ohrwurm-Qualitäten, selbst wenn man nicht weiß, was man da eigentlich mitsummt.

Belgischer Electro-Dance: Stromae "Racine carrée" - neues Album! - 2 Videos

Das Video zu „Formidable“, zu deutsch: wunderbar, wurde mit versteckten Kameras in Brüssel aufgenommen. Ein grauer Tag im Mai mit Nieselregen, wie wir ihn alle kennen. Der Text handelt von einem Mann,der von seiner Freundin am Tag zuvor verlassen wurde. Selten war ein Musikvideo so authentisch wie dieses. Anonymität an einem verkaterten oder noch betrunkenen Morgen, kalte, graue Betonwände, nasse Bänke, hupende Autos. Bahnen mit Menschen die lieber aus dem Fenster, als ihre Mitfahrer angucken. Stromae spielt sich selbst in dem Video, wie er über den „Rond Point Louise“ Platz in Brüssel stolpert, angeblich nach einer durchzechten Nacht. Mit Kopfhörern im Ohr kommuniziert er nicht wirklich mit der Außenwelt, die ihn klar als erbärmliche Kreatur wahrnimmt. Gestern ging es ihm noch formidabel, heute ist er bemitleidenswert.

Die Musik dazu besteht aus theatralischem Piano-Geklimper, Orchester Streichern gepaart mit tanzbaren Beats, die nur unterbrochen werden, als die Polizisten Stromae erkennen und ihm sagen, wie sehr sie ihn schätzen. Aber auch sie scheinen Mitleid zu haben, mit dieser miserablen Kreatur.

Trotz soviel Melancholie schafft Stromae es irgendwie, dass seine Lieder zwar schrecklich real und traurig sind, aber trotzdem aufmunternd. Man erkennt sich in den unangenehmen Situationen wieder, Stromae kann darüber lachen. Fast als sage er, „Hey du bist nicht alleine, uns geht es allen so. Lass uns laut singen und mit dem Kopf nicken, dann ist alles besser." Mehr davon auf "Racine carrée" ab morgen im Handel!