- (c) https://www.youtube.com/watch?v=XJP3db3R014&feature=youtu.be&eml=2015November19/2913606/6133929&etsubid=130644275 © https://www.youtube.com/watch?v=XJP3db3R014&feature=youtu.be&eml=2015November19/2913606/6133929&etsubid=130644275

Stille Nacht war einmal - Musikalische Weihnachtsveröffentlichungen 2015

von Portrait von Kathrin Stegherr Kathrin Stegherr
Veröffentlicht am 14. Dezember 2015

Lasst uns froh und munter sein, denn Alle Jahre wieder klopft das Fest der Liebe an die Tür und verlangt auch in der Musikbranche immer aufs Neue in allen erdenklichen Weisen ausgeschlachtet zu werden. Jedes Jahr hat eine gute handvoll Künstler Lust sich mal wieder einem Santa-Song oder, wenn es hart auf hart kommt, gar einem ganzen Weihnachtsalbum zu widmen. Meistens sind das dann alles alte Schinken von "Ihr Kinderlein kommet" über "Leise rieselt der Schnee" zu dem All-Time-Classic "Jingle Bells". Seit Wham! den modernen Weihnachtssong wieder salonfähig gemacht haben, wollen natürlich alle vom Kaufrausch in der besinnlichen Zeit des Jahres profitieren. Bei solch einem Überangebot wird dir also auch 2015 die eine Frage das Leben mal wieder schwer machen: "Wer soll meiner Familie dieses Jahr bloß auf die Ohren dreschen?! (Aber eigentlich tuts auch keinem weh, weil sowieso niemand wirklich hinhört)". Im schlimmsten Fall besorgt man sich dann den Christmas-Hit von Heidi Klum, die 2006 mit "Wonderland" zurecht alle Karten auf einen Weihnachtssong für ihren, wie wir heute wissen, erfolgreichen Start ins Musikgeschäft, gelegt hat. Der Track hat einfach alles, was man sich für einen gemütlichen Abend mit den Lieben, gutem Essen und vielen Geschenken unter dem Weihnachtsbaum nur wünschen kann: Ein Topmodel mit hauchdünner Stimme in sexy Outfit, Lyrics, die einfach alle Aspekte aufgreifen, die zu einem perfekten Weihnachtsabend gehören (Wonderland, Shining Stars, Jingle Bells) und der Kinderchor erledigt dann den Rest. Aber das ist ja schon alles längst Schnee von gestern. Weil jedes Jahr immer und immer wieder neuer musikalischer Weihnachtsterror aus dem Radio quillt, sollt ihr natürlich nicht im Unklaren darüber bleiben, wer sich erfolgreich und vielleicht auch weniger erfolgreich 2015 die Ehre gibt.

The Killers - Dirt Sledding

http://www.vevo.com/watch/the-killers/Dirt-Sledding/USUV71503697http://www.vevo.com/watch/the-killers/Dirt-Sledding/USUV71503697Dirt Sledding

Der liebste Vorwand, um einen Weihnachtssong auf den Markt zu bringen, ist wohl die Spende des Erlös an eine gemeinnützige Organisation. So machens auch die Killers jetzt schon seit zehn Jahren und spenden die gesamten Einnahmen ihrer Weihnachtsspecials an Bono's AIDS-Hilfe (RED). Der aktuelle Christmas-Song "Dirt Sledding" schließt zum 10-jährigen Jubiläum die unoffizielle "Santa-Trilogie", zu der außerdem noch "Don't Shoot Me Santa" von 2007 und "I Feel It In My Bones" aus dem Jahr 2012 gehören. Wieder mimt Ryan Pardey im dazugehörigen Clip den evil Santa und  es kommt zum lang ersehnten Showdown zwischen Santa und dem Killers-Frontman Brandon Flowers. Am Ende (Achtung: Spoiler!) ist dann doch alles gar nicht so schlimm wie gedacht und alle haben sich wieder lieb. Auf jeden Fall sind die Killers-Songs zum Fest der Liebe alles andere als nervige Weihnachtsschlager. "Dirt Sledding" besticht eher durch Rockabilly-Sound und einen Hang zur Selbstironie. Passend visualisiert wurde der Track von Matthew Gray Gubler in einer kargen Las-Vegas Wüstenlandschaft vom Feinsten.

Phoenix - Alone on Christmas Day

https://www.youtube.com/watch?v=H59rOpBTGAkhttps://www.youtube.com/watch?v=H59rOpBTGAkAlone on Christmas Day

Jetzt wirds prominent! Nicht nur, dass Phoenix mit "Alone on Christmas Day" einen ausgegrabenen und nie veröffentlichten Beach Boys Song covern, unterstützt werden die Versailler Jungs von Jason Schwartzman, dem New York Doll's Sänger David Johansen sowie von keinem Geringerem als Kultschauspieler Bill Murray. "Alone on Christmas Day" erscheint im Netflix-Weihnachts-Special "A Very Murray Christmas" unter der Regie von Lost in Translation Regisseurin Sofia Coppola. Die Zusammenarbeit von Frau Coppola und der französischen Indie Band kommt übrigens nicht von ungefähr, wenn man mit dem winzigen Detail vertraut ist, dass die New Yorkerin mit dem Frontsänger Thomas Mars seit 2011 in zweiter Ehe verheiratet ist. Denn nichts geht über Vitamin B! Nach diesem Pinzip lockt "A Verry Murray Christmas" mit einer Starbesetzung wie Amy Pohler, Michael Cera, Miley Cyrus, George Clooney, Chris Rock, Maya Rudolph usw. usw. Aber zurück zum Song: Bill Murray übernimmt die Einleitung mit den Worten "How about you Fellas play something that nobody knows?" Dass die Jungs keinen abgedroschenen Weihnachtshit spielen, ist schon mal ein riesen Pluspunkt. Tatsächlich könnte die Melodie (der Text und die Instrumentierung werden an dieser Stelle mal außen vor gelassen) auch von der versammelten Mannschaft des FC Bayern 1996 zusammen eingesungen worden sein. Abgesehen davon haben Phoenix einen poppigen, irgendwie melancholischen und dank Murray auch irgendwie erheiternden Weihnachtssong fabriziert, zu dem es sich leicht mitschunkeln lässt, sofern man den 24.12. wirklich nicht alleine verbingen muss. Dazu kann man als Konsument auch beim Kauf von "Alone on Christmas Day" sein Karmakonto mal wieder voll auftanken, denn alle Einnahmen gehen ganz wohltätig an UNICEF.

Helene Fischer - Weihnachten

Sandra Ludewig/ Universal MusicSandra Ludewig/ Universal MusicHelene Fischer - Weihnachten 2015

Was haben Helene Fischer und die Beatles gemeinsam? Genau! Beide haben Nummer Eins Alben in den Abbey Road Studios aufgenommen. Bei John Lennon und Co. ist es jetzt schon etwas länger her seit der letzten Aufnahme im Londoner Studio. Helene dagegen räumt aktuell mit ihrem Weihnachtsalbum "Weihnachten" die Bankkonten ihrer Fans leer. So inovativ wie der Titel der Platte ist auch die Songauswahl. Klar, wer die 35 beliebtesten Weihnachtshits zusammen mit dem Royal Philharmonic Orchestra vertont, kann gar nichts falsch machen. Und wenn man dann auch noch Helene Fischer heißt, ist wirklich alles in trockenen Tüchern. "Weihnachten" hat sich schnurstracks auf Platz 1 der deutschen Albumcharts katapultiert und ist garantiert kein Weihnachtsalbum zweiter Klasse. Offensichtlich weiß die Schlagerqueen wie die Branche läuft und dabei spielt es keine Rolle, wie sehr man "Atemlos" auch hasst, denn die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Von "Gänsehaut-Momenten" ist die Rede, wenn von Fischer's Duett-Partnern gesprochen wird. Da trumpft sie auf mit Größen wie Plácido Domingo, Ricky Martin und nicht zu vergessen dem vermeintlichen Systemkritker Xavier Naidoo, der für die Blondine "der Sänger mit der schönsten Stimme Deutschlands" ist. Die Frau an Flori's Seite setzt bei ihrem zweisprachigem Doppelalbum auf Professionalität auf höchstem Niveau. Wer also Lust hat auf weihnachtliche, gut produzierte Hintergrundmusik, der sollte dringend in das neue Fischer-Album investieren, denn eines ist es dank der helen'schen Erfolgstaktik allemal: reizlos zeitlos!

Kylie Minogue - Kylie Christmas

https://www.youtube.com/watch?v=JReg9mK1ixkhttps://www.youtube.com/watch?v=JReg9mK1ixkKylie Minogue - Santa Baby

Kylies besinnliches dreizehntes Studioalbum entpuppt sich als kleines Verwirrspiel für den herkömmlichen unaufmerksamen Kylie-Sympathisanten. Der Track "Santa Baby" wurde schon 2000 auf der B-Seite von "Please Stay" veröffentlicht. 2014 folgte erst ein entsprechendes Video. 2010 erschienen die Weihnachts-EPs "A Kylie Christmas" und "A Christmas Gift" auf denen erneut "Santa Baby" und außerdem "Let it Snow" zu finden ist. Alles deutete also auf das finale Weihnachtsalbum hin. Nur wenn man die ganzen Veröffentlichungen retrospektiv verfolgt, macht irgendwie gar nichts mehr Sinn. Ist aber eigentlich auch egal, weil Kylie mit "Kylie Christmas" das ganze Weihnachtsgeschäft trotz belangloser Coverversionen von  "Winter Wonderland" oder "Santa Claus is Coming to Town" mit eigenen neu geschriebenen Songs aufmischt. Man kann ihr vielleicht etwas Einfallslosigkeit vorwerfen und damit die Frage der Relevanz eines solchen Albums erneut in den Raum stellen. Doch gerade da minimiert Kylie den zu erwartenden Gähnfaktor. Der extra von Chris Martin für die Australierin geschriebene Track "Every Day's like 'Christmas" ist eine mittelmäßige Elektro-Pop Weihnachtsballade, die sich gut ins Albumgefüge einpasst und vielleicht besonders schön als Soundtrack mit dem Teil des Weihnachtsabends harmoniert, in dem sich alle sagen, wie lieb sie sich haben. Ein bisschen aufregender präsentiert sich da schon das von Kylie co-geschriebene "White December ", bei dem man tatsächlich Lust bekommt, Zeit mit seiner Familie zu verbringen, obwohl es wirklich nur ums Wetter geht. Unterm Strich ist da ein durchaus abwechslungsreiches und unkonventionelles Weihnachtsalbum entstanden, das für Kylies Verhältnisse unerwartet angenehme Überraschungen birgt.