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"Nothing is forever". Hardcore- DJ Sutura im Interview

von Portrait von Julia Grimm Julia Grimm
Veröffentlicht am 28. August 2016

Hardcore, Techno. Für viele einfach nur seelenloser Krach, ohne Message. Dass das nicht unbedingt stimmt, hat uns Sutura verraten, den wir auf der Nature mal zu seinem Alltag als DJ befragt haben.

Hallo Sutura!

Hallo!

Bist du zum ersten Mal auf der Nature?


Sutura: (lacht) Nee. Nein, also Auflegen tu‘ ich schon seit 15 Jahren hintereinander. Außer letztes Jahr, da habe ich ausgesetzt, weil ich in den Urlaub geflogen bin, weil ich wollte einmal für mich sein.

Wie findest du die Nature?


Sutura: Ich finde die Nature saugeil, weil das ein sehr familiäres und eine ziemlich angenehme Atmosphäre ist. Die Leute sind freier, die sind von Zuhause weg und so. Und die können sich einmal austoben, was sie in ihrer Umgebung nicht können. Und das merkt man auch, das spürt man total hier, wenn man den Leuten ins Gesicht guckt, dann merkt man sofort, dass die total Bock auf Ausrasten haben – auf Deutsch gesagt.

Ausrasten kann man auch in einer Halle, wie bei Toxicator oder Syndicate. Wo ist für dich der Unterschied zum Nature One Bunker?


Sutura: Nature One ist ein freier Bereich. Es ist nicht, dass man in ein Zimmer reingeht und dort passiert die Geschichte. Nein, es passiert hier überall und das macht es aus. Ich denke, hier hast du auch die Möglichkeit, dass du mehreren Genres dir anhören kannst. In einem Floor oder einem Festival im geschlossenen Bereich ist es einfach so, dass man einfach in diesem Kasten drin ist. Man hat die Möglichkeiten einfach nicht. Und die andere Sache ist, was viel, viel schöner ist, dass man unter einem freien Himmel ist und da kann man manchmal die Sterne beobachten.

Du bist dieses Jahr also wieder on fire. Wie läuft dein Schaffen bis jetzt?


Sutura: Also ich habe dieses Jahr Unglaubliches geschafft, ich habe fünf Alben rausgebracht und das hat es noch nie vorher gegeben. Ich glaube, ich habe so viel Input raus, dass es sogar so weit ist, dass ein amerikanisches Label – ich werde den Namen nicht nennen – aber eins der größten amerikanischen Labels hat ein Album von mir unter Vertrag genommen. Das heißt, ich bin ziemlich voran, was das anbetrifft. Es gab noch niemand, der so weit war und das wird auch Zeit brauchen um das zu ermöglichen. Fakt ist einfach, dass ich den Sound so umgeändert habe, so total neue Facetten reingebracht habe, dass es gerade einschlägt, wie eine Bombe auf der Welt. Und ich sehe das an den Verkäufen.

Deine Single „Nothing is forever“, das hast du dir auch nun tätowieren lassen?


Sutura: Ja genau, das habe ich mir tätowieren lassen. Das ist ein Lebensabschnitt von mir, den ich einfach hatte. Und nichts ist für die Ewigkeit und damit habe ich mich befasst, mit dem Thema. Dinge sind da, aber sie sind nicht für die Ewigkeit da. (überlegt) Mein Thema war, dass nach 16 Jahren meine Beziehung auseinander ging und da habe ich gemerkt: Nichts ist für die Ewigkeit. Es geht schon gut und so, es ist alles toll und so, aber nicht für die Ewigkeit. Manchmal muss man auch wieder andere Wege gehen. Und das war mein „Nothing is forever“. Und das hat mir so gut gefallen, dieses Thema. Ich wollte mir immer schon was tätowieren lassen an der Brust und das hat einfach wie die Faust aufs Auge gepasst.

Also deine Inspirationsquelle sind eigentlich auch persönliche Erlebnisse?


Sutura: Absolut, also es sind entweder meine eigenen persönlichen Erlebnisse oder auch im Bekanntenkreis, ob es Freunde sind, ob es Bekannte sind, ob es irgendetwas in der Welt ist, ich greife wirklich Themen an. Ich tu‘ nicht planlos irgendetwas produzieren, sondern ich überlege ganz genau was ich mache. Und wenn ich ein großes Thema habe, dann spiele ich das von oben bis unten runter, was für Möglichkeiten es gibt.

Wie sehr lässt du dich denn von deinen Fans beeinflussen oder von der Meinung anderer? Ich hab nämlich auch in Hardtechno Foren gelesen, dass Leute schreiben: „Sutura macht nur noch Kindergartenmusik.“ Ließt du dir sowas überhaupt?


Sutura: Manchmal Ja und manchmal Nein. Aber im Endeffekt ist es ihre Meinung. Ich toleriere sie, aber ich bin kein Clown, der das macht, was andere sagen. Sondern ich sehe mich als ein Künstler. Ein Künstler ist in seiner Kreativität frei. Und das was ich mache, das mache ich. Wenn es nicht ankommen würde, dann würden diese Menschen nichts schreiben. Es gibt Gegensätze. Wenn es ein Gegensatz von negativen Punkten gibt, dann gibt es auch einen Gegensatz mit positiven Punkten.
 

Nächste Woche spielst du in Heilbronn, im Bukovski. Dann hast du letztens ein Venyl Set veröffentlicht. Inwiefern legst du hier auf der Nature anders auf, als im Vergleich zum Bukovski zum Beispiel?


Sutura: Also das Bukovski ist ja so… Da komme ich ja her, aus Heilbronn. Und der Besitzer ist ein ganz, ganz guter Freund. Und dann habe ich mich überreden lassen und habe dann auch dort gespielt und habe gemerkt, was für eine tolle Atmosphäre – klein aber so fein – dass ich gesagt habe, „hey, das müssen wir öfters wiederholen“. Und Fakt ist, dass ich dort nicht als Sutura spiele, sonder als Burhan. Ich habe noch ein anderes Projekt namens Burhan und da spiele ich wirklich Produktionen von mir als Burhan, also Technoproduktionen und die spiele ich natürlich auch öfters in Deutschland und es wird immer mehr, komischerweise. Sutura ist Hardtechno und Burhan ist Techno. Darum sind die Sachen auch total verschieden. Man kann die nicht in einen Topf reinwerfen.

Was tust du lieber, produzieren oder live auflegen?

Sutura: Haben beides schöne Seiten. Beim Produzieren ist das so, da bin ich für mich, ich beeinflusse mich selber nur in dem Moment, beim auflegen ist das so, dass das ein Zusammenspiel zwischen dem DJ und dem Publikum ist, das dich anfeuert. Das passiert im Studio nicht. Aber ich bin gerne in meinem Studio. Aber wie gesagt, ich will auch, wenn die Sachen fertig sind, dass die Sachen rausgehen und die Leute dem lauschen können und vielleicht fühlen, was ich fühle.

Was macht ein DJ in seiner Freizeit, wenn man bis in die Morgenstunden auflegt und tagsüber dann schläft?

Sutura: Was viele nicht wissen, ich mache viel. Ich stehe morgens zwischen 5-7 auf, dann mache ich zuhause ziemlich viel, ich lese viel über alte Künstler, so künstlerische Sachen, ich befasse mich mit Malerei. Was ich auch noch tu, dass ich seit 22 Jahren beim deutschen, roten Kreuz älteren Menschen helfe. Ich unterstütze sie in ihrem Leben.

So einkaufen und so weiter?

Sutura: Ja, unter anderem, oder was kochen zuhause oder so.

Ist ja auch ein super Ausgleich zum entspannen.

Sutura: Ja für mich ist es halt wichtig, ich bin nicht so ein Mensch, der ohne Plan tot auf der Couch rumhängt, ich spiele auch keine Playstation oder so, ist nicht so meins. Ich möchte einfach etwas Sinnvolles in meinem Leben machen und da habe ich das Gefühl, dass ich das da tue. Und es macht auch Spaß die Menschen auch lachen zu sehen. Ich schätze durch diese Menschen mein Leben.

Wie kannst du denn, nach so einem Festival deinen Lebensrhythmus wieder finden? Da kommt ja doch schon einiges durcheinander mit dem Schlafrhythmus zum Beispiel.

Sutura: Bei ist das so, dass ich mir darüber nicht so Gedanken gemacht habe. Ich versuche in der Woche normal zu Bett zu gehen, wie jeder andere auch. Ich habe ja auch eine Tochter, die möchte auch Zeit mit ihren Papa. Meine Zeit ist genau geplant, die Zeit mit meiner Tochter, die Zeit mit mir selbst. Eigentlich bräuchte ich 48h für alles. Ich bin einfach nicht anders, als jemand der da draußen rumläuft, außer, dass ich Musik mache. Aber das ist einfach meine Leidenschaft. Irgendwann habe ich gemerkt, dass das ein Teil von mir ist. Das ist mein Ventil.

Dein Lieblingstrack 2016 bis jetzt?

Sutura: Ich sag Sutura Feel the beat!

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Hier könnt ihr euch die Track anhören. Weitere Infos findet ihr auf seiner Facebookseite.