Im Gespräch mit Vice Clark von Erasure, dem Kult-Duo der 80er

von Portrait von Arzu A. Kayvani Arzu A. Kayvani
Veröffentlicht am 1. Januar 1970

Ich bin ein Kind der 80’er. Nicht, dass ich in den 80‘ern geboren bin. Aber ich hatte meine Jugend  in dieser Zeit. Den Teil der Jugend jedenfalls, in dem es spannend wird – das erste Mal ausgehen dürfen, tanzen, die erste Liebe. Das vergisst man nicht; ebenso wenig wie die Musik von damals. Und jetzt, viel später, versteht man seine Eltern, die ganz nostalgisch werden, wenn sie die Beatles oder Rolling Stones hören. So geht es mir heute unter anderem mit Erasure. Denn damals in den 80’ern stürmten Vince Clark und Andy Bell die Charts der Welt und Songs wie „Oh L’amour“ oder „Sometimes“  waren unverzichtbarer Part eines jeden Party Line Ups.

Bereits vor Erasure hat Vince Clarke Musikgeschichte geschrieben. Er war Gründungsmitglied von Depeche Mode und  konnte nach seinem Ausstieg dort auch mit Alison Moyet große Erfolge als Duo Yazoo verbuchen. Doch wie auch zahlreiche spätere Projekte, unter anderem mit Feargal Sharkey,  hielt die Zusammenarbeit mit Moyet nicht lange. Umso mehr erstaunt, dass Vince und Andy bereits seit weit über 20 Jahren zusammen sind und gemeinsam Musik machen. Und das ziemlich fleißig! 17 Studioalben, 4 Livealben, tolle Konzerte, zahlreiche Auszeichnungen und eine bedingungslos treue Fangemeinde sind das Ergebnis. Und trotz einiger richtig guter Soloprojekte der beiden – insbesondere Andy war mit seinem Album Electric Blue ziemlich erfolgreich – finden die beiden immer wieder zusammen und lieben es, gemeinsam zu arbeiten.

Nach einer langen Pause waren Erasure im vergangenen Jahr wieder auf großer Tour in Großbritannien, Europa, Russland, Süd- und Mittelamerika und den Vereinigten Staaten. Die Fans waren begeistert, die Jungs ebenso. Und zwischendurch haben wir die beiden an die Strippe bekommen und durften ein bisschen klönen:

Ihr seid nach ziemlich langer Zeit endlich wieder auf Tour. Wie fühlt es sich an, zurück auf der Bühne zu sein?

Bisher ist alles wunderbar. Wir haben unsere Tour im Juni 2011 gestartet, sind in England und Europa aufgetreten und kommen gerade aus Süd- und Mittelamerika. Wir genießen das alles wirklich sehr. Wir hatten eine ziemlich lange Pause und es fühlt sich gut an, wieder  „back on the road“ zu sein.

Wie war denn die Resonanz der Fans bisher? Haben sie Euch vermisst?

Es war super. Natürlich waren wir vor dem Start der Tour ziemlich aufgeregt und nervös, weil wir so lange pausiert hatten. Aber es stellte sich heraus, dass die Leute unsere Shows toll finden. Es war herrlich, so viele alte Gesichter wieder zu sehen, aber ganz besonders erstaunt waren wir bei unseren Auftritten in Südamerika. Da waren so viele junge Leute im Publikum, das war wirklich beeindruckend.

Wie haltet Ihr diese Mega Tour körperlich durch? Es muss doch sehr anstrengend sein, jeden Tag auf der Bühne zu stehen und zu performen. Habt Ihr Euch irgendwie darauf vorbereitet? Trainiert? 

Natürlich muss man auf sich aufpassen. Dabei geht es aber um ganz essenzielle Dinge, wie nicht zu viel Alkohol zu trinken und ausreichend zu schlafen. Eigentlich ist das Anstrengende an so einer Tour nicht unbedingt die Auftritte, sondern das viele Reisen. Das schlaucht schon sehr. Wir haben in Südamerika fast jeden Tag in irgendeinem Flieger gesessen und das ist wirklich ermüdend. Naja, jedenfalls sind wir keine Partyanimals, was schon mal nicht von Nachteil ist.

Du warst ja immer ein sehr fleißiger Künstler. Soweit ich weiß, hast Du bisher 21 Studioalben und 9 Lifealben herausgebracht; 14 von den Studioalben allein mit Erasure. Auch die Charterfolge sind bemerkenswert. Doch in den vergangenen Jahren ist es still um Euch geworden. Was war da los?

Das hing maßgeblich mit unserer letzten Tour zusammen; danach brauchten wir einfach eine Pause. Andy hat einige Soloprojekte gemacht und ich war mit dem Aufbau meines neuen Studios beschäftigt. Wie Du siehst, waren wir dennoch ziemlich busy. (lacht)

Bevor Du Andy getroffen hast, hast Du mit zahlreichen richtig guten Künstlern zusammen gearbeitet, darunter Alison Moyet und Feargal Sharkey. Und Du warst Gründungsmitglied von Depeche Mode. Aber all diese Projekte waren nie von langer Dauer. Mit Andy hingegen bist Du seit 25 Jahren ein Team. Woran mag das liegen, was denkst Du?

Ich denke, das liegt einfach daran, dass wir wirklich gute Freunde sind. Er ist ein Freund, dem ich bedingungslos und immer vertrauen kann. Wir arbeiten gerne zusammen und genießen die es einfach, zusammen zu sein. Es ist irgendwie ein bisschen, wie den Richtigen zum Heiraten zu finden. Manchmal klappt’s, manchmal eben nicht. Und wir haben uns einfach gefunden, mögen uns und es funktioniert. Deswegen arbeiten wir schon so lange zusammen. 

Stimmt es, dass du Andy über eine Anzeige in einer Zeitung gefunden hast?

Ja, das ist korrekt. Ich war auf der Suche nach einem Sänger und der Producer, mit dem ich damals zusammen gearbeitet habe, schlug ein Vorsingen vor. So habe ich Anzeigen in diversen Musikzeitschriften geschaltet und wir hatten 2,5 Tage lang Auditions. Tja, und Andy war einer der Bewerber. So haben wir uns zum ersten Mal getroffen.

Und wie war die Audition so?

Also wenn Du dabei hören willst, wie Andy war, dann kann ich Dir sagen, dass wir damals wirklich viele gute Sänger gehört haben. Aber keiner hatte eine wirklich individuelle Stimme mit Wiedererkennungswert. Aber Andy hat eine sehr einzigartige, sehr interessante Stimme. So habe ich gedacht „das ist der Richtige“ und beschlossen, es mit ihm zu probieren. 

Womit Du ja dann auch goldrichtig gelegen hast. Vielen Dank für Deine Zeit und noch viel Spaß auf Eurer Tour.

Ja, sehr gerne. Ich danke.