Adolar im Cassiopeia Berlin - Konzertbericht

von Portrait von Desiree Borsky Desiree Borsky
Veröffentlicht am 28. Oktober 2013

Zum Konzert „Adolar – bitte durch den Hintereingang“ hieß es auf dem Schild am Berliner Cassiopeia. Wie passend. Wer die Musik der deutschen Post-Punk-Hard-Core-Indie-Rock Band – oder in welche Schublade man sie auch stecken möchte – kennt, weiß, dass die vier ungern angenehme, leicht bekömmliche Themen ansprechen. Wieso also durch den Haupteingang, wenn es auch anders geht.

Zugegeben, die Eintrittsituation des Clubs hatte wohl kaum etwas mit der Entscheidung von Adolar zu tun. Dennoch passt die Maßnahme zu den kalt, kritisch und kantigen Stücken der Musiker aus Sachsen-Anhalt. Sie drehen allgemein akzeptierte Verhaltensweisen der Gesellschaft gern um, betrachten sie von einer anderen Seite und machen so auf ihre Nutzlosigkeit oder Ironie aufmerksam.

Die Kollegen vom Label Zeitstrafe Supermutant wärmen die Bühne schon einmal auf. Danach eröffnen Adolar das Konzert wird mit der noch eher ruhigen Nummer „Raketen“. Die Ergriffenheit des Sängers und Bassisten Tom Mischok wirkt zu Anfang etwas befremdlich und vielleicht sogar aufgesetzt. Dieses Gefühl legt sich aber im Laufe des Abends. Schon das zweite Lied zeigt, dass Adolar keinen Melo-Drama-Pop für das Publikum des Bundesvision Songcontest machen, sondern mit ihrem immerhin schon dritten Album ernsthafte Rockmusik mit deutschen Texten produzieren. Während die treuen Fans von Anfang an jedes Lied feiern, schauen die Neu-Interessierten fasziniert dabei zu, wie sich die Adern an Tom Mischoks Oberkörper in eine Landschaft aus hervorstechenden Irrungen und Wirrungen verwandeln. Er scheint die ganze Energie seines Körpers den Worten zu widmen, die da mit geballter Kraft aus seinem Mund in die Gedanken des Publikums fließen. Das kann gar nicht unecht sein.

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Viele persönliche Erlebnisse, Begegnungen und Fragen stecken in den Werken von Adolar, aber genauso wichtig ist die Kritik an der wegschauenden und oberflächlichen Gesellschafts-Attitüde. Trotz der Hitze im Konzertsaal breitet sich ein kaltes Gefühl von Anonymität aus, wie man es ähnlich nur durch Lieder von Bands wie Turbostaat oder auch Tocotronic vermittelt bekommt. Der von Tom Mischok, Jens Krieshammer, Michael Cyris und Frank Mertens erzeugte Sound erinnert an kalte Wintertage in tristen, verlassenen Landschaften durch die der Wind fegt.

Je länger sie spielen, desto lockerer wird auch die Band. Nach anfänglichem unbeeindruckt-sein werden doch noch positive Emotionen gezeigt und sogar zufrieden gelächelt. Auch wenn die Themen nicht fröhlich sind, bei Adolar wird Frust, Unzufriedenheit und „die Kälte der neuen Biederkeit“ mit Geschrei weggetanzt. Ja, es wurde getanzt, sogar besonders leidenschaftlich bei dem Song gegen den vermeintlichen Vergnügungszwang unserer Generation „Tanzenkotzen“.

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