Tim Mälzer unterstellt Klitschko, für Werbezeit auf K. o. verzichtet zu haben

von Portrait von Steffen Kutzner Steffen Kutzner
Veröffentlicht am 12. November 2012

Boxen, könnte man meinen, ist ein recht simpler Sport: Zwei Männer prügeln sich so lange, bis einer von beiden nicht mehr aufstehen kann oder die Zeit abläuft. Klare Sache. Aber jedem, der den Kampf zwischen Schwergewichtsweltmeister Wladimir Klitschko und Mariusz Wach am Samstag gesehen hat, drängte sich eine andere Frage auf: Warum schickt Klitschko Wach nicht auf die Bretter? Der Herausforderer aus Polen war schon nach der Hälfte der 12 Runden deutlich angeschlagen und wäre spätestens ab Runde 8 wahrscheinlich problemlos zu besiegen gewesen. Trotzdem verzichtete Klitschko auf einen Sieg durch K. o. - Tim Mälzer behauptet, der Grund läge in den Werbeeinnahmen von RTL - der Kampf wäre wahrscheinlich künstlich verlängert worden, damit die Werbeblöcke noch ausgestrahlt werden können. Reporter Kai Ebel, der Mälzer zu dem Kampf befragt habe, war verdutzt und brachte grade noch: „Das ist eine Frechheit!“ heraus.

Mal ganz davon abgesehen, dass die daraufhin laut gewordene Zustimmung an Mälzers Äußerung für sich spricht und viele Zuschauer des Kampfes offensichtlich derselben Ansicht waren, zeichnet sich hier auch ein neues Bild des Fernsehkochs ab. Schon vor zwei Jahren fragte er Trash-TV-Ikone Vera Int-Veen während einer Fernsehsendung, warum sie sich für Sendungen wie „Bauer sucht Frau“ hergäbe und traf damit einen Nerv beim Publikum. Avanciert der Fernsehkoch zur Stimme der deutschen Fernsehzuschauer?

Zwar kein Beweis, dafür aber ein Motiv bilden die Informationen, die Focus vorliegen:

Die Quote für RTL beim WM-Fight: 11,7 Millionen Zuschauer, Marktanteil: 53,7 Prozent. Die Firmen stehen Schlange, obwohl 30 Werbesekunden bei RTL am Kampfabend stolze 125 100 Euro kosten.

Da zwischen den zwölf Runden jeweils mindestens ein Werbeblock eingeblendet wurde und man auch sonst das Gefühl hatte, mehr Werbung als Kampf zu sehen, hat RTL mit den 12 Runden einen passablen Umsatz gemacht. Wäre der Kampf nur über die Hälfte der Zeit gelaufen, entfallen hunderttausende Euros an Werbeeinnahmen. Allerdings bekommt Klitschko für den Kampf auch selbst sechs Millionen Euro - bestechen könnte ihn der Sender wohl kaum.

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