Richard David Precht fordert neues Schulsystem ohne Sitzenbleiben bei Günther Jauch

von Portrait von Bettina Pielka Bettina Pielka
Veröffentlicht am 6. Mai 2013

Zur Zeit diskutieren mehrer Bundesländer darüber, dass Sitzenbleiben an den Schulen abzuschaffen. Richard David Precht geht noch weiter, er will die Schule, so wie man sie kennt, komplett abschaffen, das zumindest erzählte er gestern Abend beim Talk mit Günther Jauch. Die Sendung drehte sich um die Frage: „Notendruck, Sitzenbleiben – weg mit der alten Schule?“

Precht nannte zwei wichtige Komponenten. Erstens, sind die deutschen Schulen im internationalen Vergleich, die sozial ungerechtesten. Kinder aus bildungsfernen Familien haben es schwerer Abitur zu machen und zur Uni zu gehen. Zweitens, sei das Bildungsniveau zu gering. Man solle das Niveau nicht anhand von Abiturprüfungen messen, sondern anhand daran, was jemand für sein Leben gelernt hat. Fünf Jahre nach dem Abi wüsste man, so Precht, gerade mal nur noch zwei bis drei Prozent des Schulstoffs.

Der Philosoph stellt sich das neues System so vor: Nach der sechsten wird der Unterricht aufgeteilt. Mathematik solle individuell anhand einer Lernsoftware gelernt werden. So könne jeder individuell die Geschwindigkeit seines Lernens bestimmen. Die schlechteren Schüler werden gefordert, die Gute nicht unterfordert. Fächer wie Chemie und Physik sollten anhand von Beispielen wie dem Klimawandel gelernt werden. Wenn jeder individuell lernt, dann wäre das Mittel „Sitzenbleiben“ nicht mehr nötig, sagt Precht.

Das deutsche Bildungssystem hat Mängel. Edmund Stoiber, Harald Schmidt und Peer Steinbrück haben alle etwas gemeinsam: Sie sind alle in der Schule sitzengeblieben. Hat ihnen das Sitzenbleiben nun geschadet? Dazu hat vielleicht jedermann eine andere Auffassung. Aber ansich kann man sagen, hat jeder von ihnen etwas im Leben erreicht.