Neues von Johnny Knoxville und Jeff Tremaine „Jackass presents: Bad Grandpa“ Filmkritik und Interview

von Portrait von Desiree Borsky Desiree Borsky
Veröffentlicht am 21. Oktober 2013

Der Einkaufswagen rollt wieder. Nur dieses Mal wird in dem legendären Drahtgestell ein alter, versoffener Griesgram von seinem achtjährigen Enkel umherkutschiert. Die Jackass Rabauken sind zurück! Johnny Knoxville kooperiert erneut mit seinen „Dickhouse“-Kollegen Regisseur Jeff Tremaine und Produzent Spike Jonze. Neu ist, dass dabei ein Film mit Storyline entsteht, der Familiendrama mit Versteckte-Kamera-Klamauk verbindet.

Der Film ist eine Mischung aus Roadtrip-Movie, romantischer Familienkomödie und abartig krassen Situationen, denen echte Menschen mit versteckter Kamera ausgesetzt werden. Johnny Knoxville ist Irving Zisman, der 86-jährige, frisch verwitwete und notgeile Rentner, der sich über seine endlich gewonnene Freiheit freut und keinen Rock unnachgepfiffen vorbeigehen lässt. Leider kommt ihm sein Enkel Billy dabei etwas in die Quere.

Irvings Tochter muss wegen Drogenmissbrauchs mal wieder ins Gefängnis und der Opa muss sich kümmern. Er soll den achtjährigen Billy zu seinem Vater nach North Carolina bringen. Der hat allerdings genauso wenig Lust noch Talent für ein Kind zu Sorgen wie Irving, möchte aber den staatlichen Kinderzuschuss unbedingt einsammeln. Den Jungen mit der Post zu verschicken klappt nur um ein Haar nicht, deswegen müssen die beiden mit dem Auto los. Auf ihrem Trip durch den Südwesten der USA bauen Billy und Irving so einigen Scheiß.

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Wird Johnny Knoxville alt? Keine krasse Selbstverletzung mehr, sondern lieber verkleidet durch die Welt gehen. Es braucht circa drei bis vier Stunden in der Maske um Johnny Knoxville um 42 Jahre altern zu lassen. Das steht dem „Jackass“-Star dann aber so gut, dass die Menschen um ihn herum nichts ahnen und zweifelsfrei glauben, es handele sich hier um den Rentner Irving. Auf die Frage, ob der grausige Greis Irving Zisman von den Großvätern Jeff Tremaines und Johnny Knoxvilles inspiriert worden sei, antwortete Knoxville, dass Irving eher seinem Vater ähnele aber im Prinzip einfach eine noch perversere Ausgabe seiner selbst sei:

„There is a lot of my father in Irving. A lot of his mannerisms and a lot of lines he said to me growing up are in the film. But basically he's just a more perverted version of myself.”

Die Umsetzung und Koordination des Films war laut Tremaine auf Grund der versteckten Kameras und der Mitarbeit des Jungen Jackson Nicoll extrem schwierig und vom Produktions-Standpunkt her eigentlich "a really dump idea". Irgendwie hat sich dann aber doch alles zusammengefügt, nach insgesamt zehnmonatiger Drehzeit, hatte das Team alles - inklusive unvorhersehbarer Reaktionen - im Kasten.

Die Geschichte an dessen Ende Großvater und Enkel sich endlich ihre Liebe zueinander eingestehen, basiert vor allem auf den Reaktionen der Menschen. Die machen viel mehr mit als man erwarten würde. Johnny erklärt die Hilfe zweier Möbeltransporter beim illegalen Leichentransport direkt in Irvings Kofferraum so:

“I think when you get in a really crazy situation people become emotional and then people become irrational and when they reach that state everything is going out and nothing is coming in.“

Jeff Tremaine erklärt, sie hätten die gleiche Szene in zwei verschiedenen Staaten gedreht und letztlich lag es an Irvings Art, je normaler er mit der Situation umging, je weniger auffällig er sich verhielt desto eher haben die Beteiligten mitgemacht:

„As soon as you make it seem like they're doing a crime they don't wanna do it.“

Johnny verstehe es laut Temaine überhaupt gut, mit den Menschen zu spielen, und deren Wut immer wieder abwechselnd aufflammen und abkühlen zu lassen: 

„It's an artform of: make the guy mad and then calm him down, then make him really mad and calm him back down again and see how long you can go on.“

„Jackass presents: Bad Grandpa“ ist, wie die anderen Jackass-Filme, nichts für zarte Gemüter. Alte, langgezogene Männerpenisse oder obszöne Fisch-Dicks sind nicht schön anzusehen und bleiben unfreiwillig lange im Gedächtnis hängen. Zum Glück wurde der junge Billy-Darsteller Jackson Nicoll aus den derbsten Szenen herausgehalten. Neben den wirklich unappetitlichen Momenten, gibt es aber auch tatsächlich witzige Einfälle, so wie die Begegnung des Vaters und Sohnes bei dem Biker Treff der „Guardians of Children“. Ein weiteres Highlight ist die Sprengung der fürchterlichen Beauty-Queen-Wahl, die wir zwar schon aus „Little Miss Sunshine“ kennen, aber auch hier – mit echten Müttern und Teilnehmerinnen – ein  Spaß ist.

Neues von Johnny Knoxville und Jeff Tremaine „Jackass presents: Bad Grandpa“ Filmkritik und Interview

„Jackass presents: Bad Grandpa“ – ohne Skateboards, aber immer noch mit Einkaufswagen und viel Ekel – läuft ab 24. Oktober in den Kinos.