Gestern bei GNTM: Maike und der untergeschobene Rassismus

von Portrait von Steffen Kutzner Steffen Kutzner
Veröffentlicht am 26. April 2013

Gestern ging es bei Germany's Next Topmodel zur Sache: Nach dem perfiden Cliffhanger von letzter Woche, bei dem der Zuschauer eine ganze Woche lang um Jacqueline und/oder Leonie bangen musste, wurde gleich in den ersten Minuten die Auflösung preisgegeben: Jacqueline ist raus - trotz Shopping-Tour mit Heidi und der offensichtlichen Sympathie der Model-Mama. Aber wie es im Model-Haus eben so ist: Da wird kurz ein Tränchen herausgedrückt und dann geht's weiter im Programm. Das Thema der Show: „Transformation“.

Besonders einstecken muss diese Woche nicht nur Carolin. Die 20-Jährige hat noch immer Probleme, loszulassen und ihr Schamgefühl zu überwinden, etwa bei der Aufgabe „Mache einen Alien-Walk“. Zuvor hatte sie schon Kritik von Travestie-Star Andre J. hinnehmen müssen, der sie als Diva bezeichnete, weil sie sich weigerte, seine Anweisungen zu befolgen. Dafür gab es am Schluss vor Heidis Model-Tribunal auch klare Worte - für Klum grenze ihr Unvermögen, aus sich herauszugehen, an Arbeitsverweigerung. Am Ende war es dann jedoch für Leonie vorbei, bei der es schon vergangenen Woche knapp gewesen war.

Besondere Aufregung kam in die Model-Villa, als anhand einer Aussage von Maike klar wurde, wie sehr sie sich bei den anderen Mädchen ins Aus geschossen hat. Die 19-Jährige stellte bei einem Foto-Shooting für das neue Opel-Modell die These auf, dass, weil es sich um eine deutsche Automarke handelt, wahrscheinlich ein bestimmter Typ gesucht würde:

„Ganz ehrlich: Die suchen sowieso einen bestimmten Typen, die suchen so das typische deutsche Mädel, glaub' ich, weil's eine deutsche Automarke ist.“

Eine Vermutung. Nicht mehr, nicht weniger. Eine naheliegende noch dazu. Aber natürlich wird in der unverfänglichen Püppchen-Welt scharf geschossen. Die Rassismus-Glocke bimmelte; die Mädchen hitlerventilierten. Lovelyn, die zum Zeitpunkt der Äußerung grade posierte, kommentiert: „Ich lass mich von ihr nicht beleidigen!“ und Luise meint: „Es gehört sich einfach nicht, sowas zu sagen!“ - Was zu sagen? „Deutsch“? Ist das jetzt ein böses Wort? So schnell wird eine nachvollziehbare Vermutung zum rassistischen Urteil stilisiert! Dabei ist die Frage doch eigentlich nur, warum sich jemand beleidigt fühlt, wenn sie in den Augen anderer kein „typisch deutsches Mädel“ ist. Ist „typisch deutsch“ jetzt schon ein Qualitätsurteil, dass jene, die offenbar nicht in das Muster fallen, minderwertig dastehen lässt? Wohl kaum. Schließlich leben wir ja nicht 1944. Unnötig zu erwähnen, dass Maike mit ihrer Vermutung natürlich niemanden diffamieren wollte - sie selbst fällt nach eigener Aussage ja auch nicht in das Muster. Mit „typisch deutsch“, das weiß jeder, meinte sie im Einzelnen „arisch“. (Man stelle sich mal vor, Maike hätte dieses Wort benutzt!) Und da Maike ja rothaarig ist, errechnete sie sich keine großen Chancen für das Shooting. Den Job bekam am Ende dann tatsächlich Lovelyn, die sich zuvor schein ein paar Tränchen rausgedrückt hatte, ob der furchtbar-bitterbösen Bemerkung ihrer Konkurrentin. Die ebenfalls südländische Anna Marie hat sich von Maikes Äußerungen vorbildlicherweise gar nicht angegriffen gefühlt. Warum sollte sie auch? Es kann sich ja nur der Rassismus-Tränchen herausdrücken, der sich für eine vermeintliche Minderheit hält. Warum auch immer.

Vier Wochen vor dem Finale der Sendung ist das Rollenverhältnis also klar: Alle auf Maike! Nächste Woche, das kündigte der Teaser schon an, geht die Rumhackerei dann weiter, aber Maike setzt sich zur Wehr. Ob die (vermeintlichen) Opfer-Täter-Rollen dann neu verteilt werden? Aber nicht nur gegen Maike werden nächste Woche die Krallen ausgefahren. Die Kandidatinnen werden tatsächlich zu „Catwoman“.

 

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